Man würde der Art, wie Frau Thatcher die Gewichte der englischen Politik verteilt, kaum entnehmen, daß sie im Sternbild der Waage geboren wurde. Ihr Appell an die Kräfte des Ellbogens, der rücksichtslose Darwinismus, der in ihrer Sozial- und Gesellschaftspolitik steckt – das verdient viele Bezeichnungen, aber kaum die der Ausgewogenheit.

Nun hat uns die Astrologie den Widerspruch erklärt: „old moore’s almanack“, das englische Standardwerk all derer, die nicht an Gott, sondern an das Geglitzer im Weltraum glauben, hat für Anfang 1981 im Verhältnis der Konjunktion Jupiter-Saturn zur Sonne und zum persönlichen „Horoskop“ der Premierministerin (Mars in der Waage) viel Gutes entdeckt. Den Herausgebern der 284. Edition dieses Spökenkiekers tritt man kaum zu nahe, wenn man sie den Anhängern der konservativen Partei zurechnet.

Als „old moore’s almanack“ zum erstenmal erschien, gab es ja auch noch keine Gewerkschaften, keine Labour Party, keine EG und andere unenglischen Phänomene, die Jupiter in den Orkus schleudern wollte. Aber Mars in der Waage macht’s möglich, nämlich die wundersame Rettung des Landes. 20 Jahre des Aufstiegs liegen vor den Briten: „Selten in der Geschichte formt ein Mann oder eine Frau die Zukunft einer Nation. Jetzt erleben wir solch einen Augenblick. Margaret Thatcher ist eine solche Frau.“ Sie werde England „heilen und regenerieren“. Nun, wir werden sehen.

„Old moore“ sagt auch vieles andere für 1981 voraus, zum Beispiel mehrere Erdbeben in Japan im Januar, eine Serie von Flugzeugabstürzen im Juni. Irrt der Almanach dort, wird es auch mit der Erlösung durch Britanniens Jungfrau (oder vielmehr Waage) von Orleans nicht weit her sein. Daß sie das Jahr mit der Entlassung von sechs Ministern begann, davon wußte der „almanack“ bei Drucklegung noch nichts. Mit Kleinigkeiten geben sich die Sterndeuter eben nicht ab. Ihnen geht es nur ums Höhere, Heilende, Ewige.

K.-H. W.