Was ist Fettleibigkeit, die „Adipositas“ im Jargon der Medizin, eigentlich – eine „Krankheit der Fresser oder Faulen“?

Für den menschlichen Organismus ist Fettsucht ein Bilanzproblem. Just so sahen es auch die Krankenkassen hierzulande, wenngleich unter ökonomischen Vorzeichen. Langwierige Krankenhausaufenthalte waren ihnen zu teuer.

Nach mehreren, unterschiedlich ausgefallenen Urteilen erkannte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die „Fettsucht“ unlängst als Krankheit an. Laut Urteil des BGH („Neue Juristische Wochenschrift“ 1979, Seite 1250/1251) müssen die Krankenkassen die Kosten einer notwendigen stationären Heilbehandlung übernehmen.

Der Bundesgerichtshof erwog drei Fragen: Ist Adipositas überhaupt eine Krankheit? Kann bei einer Null-Diät von Heilbehandlung gesprochen werden? Muß diese partoutim Krankenhaus erfolgen? Die Antwort: ein Ja in allen Fragen. Denn Null-Diät, Heilbehandlung und ärztliche Kontrolle bildeten eine Einheit.

Es käme in diesem Zusammenhang, so der BGH, auch nicht auf den Standpunkt von Arzt oder Patient an oder ob die Heilbehandlung nach allgeimeiner medizinischer Erkenntnis geboten sei. Selbst die Expertisen von Wissenschaftlern, deren Auffassungen sich womöglich erst Jahre später als zutreffend erweisen, seien ein Risiko, das nicht zu Lasten des Patienten gehen darf.

Vom Versicherten ist laut BGH aber der Nachweis zu erbringen, daß nach früheren medizinischen Befunden und Erkenntnissen eine solche Behandlung vertreten werden könnte. Ist Dickleibigkeit mehr Schicksal als Schuld also?

Keineswegs, so befand das Landgericht Freiburg im Januar 1980 (3 S 171/79). Von Krankheit könne dann keine Rede sein, wenn die Fettleibigkeit auf Überernährung beruhe. Und planmäßige Abmagerung allein sei eine Kur, für die keine Leistungspflicht besteht.