Zähneputzen, so resümierte Professor Hubertus Büchs kürzlich bei einem Symposium in München, ist nicht gerade eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen: Der Verbrauch an Zahnpasta entspricht nur 17 Prozent der Menge, die für eine wirksame Vorsorge (Prophylaxe) erforderlich wäre. Jeder sechste Bundesbürger betreibt überhaupt keine Zahnpflege. Die Folge dieser Unterlassungen sind an die 15 Millionen „Fälle“ von Karies pro Jahr.

Prophylaktische Programme in Skandinavien zeigen, wie mit effizienter Mundhygiene das Problem Karies völlig aus der Welt geschafft werden könnte. Professor Jan Lindhe von der Universität Göteborg zeigte durch eine mehrjährige Verlaufsuntersuchung an Erwachsenen, daß Zahnschäden bei richtigem Zähneputzen vermeidbar sind – und zwar ohne Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Auch den Anfängen wehren die Nordländer sehr erfolgreich: Fast 100 Prozent der Kinder nehmen an der öffentlichen Zahnpflege teil. Als Folge davon verringerte sich in den letzten zehn Jahren der Kariesbefall von Kinderzähnen markant. Jedes Kind im Alter von sechs bis 17 Jahren bekam früher im Durchschnitt etwa 70 gefüllte Zahnflächen; heute erhalten sie nur noch rund dreißig. Daneben wurde eine Verminderung der Füllungen in Schneidezähnen um 90 Prozent erreicht.

Ähnliche Erfolge meldet die Schweiz. Dort führt Professor Theo Marthaler von der Universität Zürich seit 1978 ein Intensivvorsorgeprogramm mit Unterweisung in richtiger Zahnhygiene durch, an dem sich 80 Zahnarztpraxen beteiligen. Die vorläufige Auswertung der Ergebnisse zeigt eine deutliche Abnahme der Zahnschäden. Für die notwendigen drei bis acht halbstündigen „Sitzungen“ pro Jahr rechnen die Eidgenossen mit Kosten von zusammen 90 bis 200 Schweizer Franken. Marthaler ist überzeugt, da mit beträchtliche Kosteneinsparungen bewirken zu können. Stefan M. Gergely