Von Ulrich Schiller

Kaum jemand glaubt, daß die Geiseln vor dem 20. Januar freikommen. Für den zukünftigen Präsidenten sind die Iraner "Barbaren und Kidnapper". Künden Ronald Reagans starke Worte aber auch harte Maßnahmen an?

Washington, im Januar

Für den liberalen Kolumnisten Carl Rowan ist die Saat einer blutigen Tragödie gestreut, seit der gewählte Präsident Ronald Reagan die iranischen Geiselhalter "Barbaren und Kidnapper" genannt hat und der Sprecher des iranischen Parlaments, Rafsandschani, die gekidnappten Diplomaten daraufhin mit dem Prädikat "Verschwörer gegen den Islam" belegte. Alyssa Keough, die Tochter einer der amerikanischen Geiseln, vertraute dem Boston Herald American an, ihre größte Sorge seien die Absichten des kommenden Präsidenten: "Anscheinend denkt er nur an militärische Aktionen, und ich bin strikt dagegen", erklärte die 19jährige. "Die Geiseln kamen dabei ums Leben, amerikanische Soldaten auch und viele unschuldige Iraner."

Konkret indessen hat sich Reagan noch nicht geäußert, was er zur Lösung des Geiseldramas unternehmen will und kann. Die verbreitete Annahme, daß er eher als Carter geneigt sei, den Iran in die Knie zu zwingen und für die Geiselnahme zu bestrafen, geht auf den Wahlkampf zurück, als der republikanische Präsidentschaftskandidat bekannte, an Carters Stelle hätte er dem Ajatollah Chomeini ein Ultimatum gestellt. Natürlich sind es daneben auch die starken Wahlkampftöne vom wieder mächtigen Amerika gewesen, die Vermutungen Nahrung geben, der künftige Präsident könnte anderen Prioritäten als der Erhaltung des Lebens der Geiseln den Vorzug geben.