Nach zwanzig Amtsjahren hat der senegalesische Präsident Senghor die Macht an den bisherigen Ministerpräsidenten Diouf abgetreten.

Auch am Ende seiner politischen Karriere verhielt sich Leopold Sedar Senghor stilvoll. Ohne großen Staatsakt trat der 74 Jahre alte senegalesische Präsident und Poet in der vergangenen Woche zurück. Für politische Kontinuität ist gesorgt: Abdou Diouf, der bisherige Ministerpräsident, war seit Jahren für die Machtübernahme aufgebaut worden.

Senghor hinterläßt seinem Nachfolger ein schwieriges Erbe. Der „afrikanische Sozialismus“, der nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 in Senegal praktiziert worden ist, hat zusehends zu Mißmanagement und Korruption in den staatlichen und halbstaatlichen Unternehmen geführt; der Einkommensverlust der Bauern zieht eine katastrophale Landflucht nach sich.

Diouf muß nun die Privatwirtschaft wieder stärker fördern. Dringend benötigte Kredite, um die Wirtschaft zu sanieren, hat der neue Präsident in Paris und mit dem Internationalen Währungsfonds ausgehandelt.

Von Frankreich ist Senegal nicht nur wirtschaftlich abhängig: Die französische Militärpräsenz erlaubt es, die eigene Armee klein zu halten. Die Außenpolitik war auch nach der Unabhängigkeit stets mit Frankreich abgestimmt. Senghor, der als Sprecher des frankophonen Afrika auftrat, bekämpfte den in Westafrika zunehmenden Einfluß Libyens. Seinen Nachfolger hat er auf diese Politik verpflichtet.

G.S.