Der Chef des Münchner Autokonzerns spielt einen Wechsel im Vorstand herunter

In den Boomjahren der Autoindustrie hat er eine exzellente Figur gemacht, und jetzt reizt es ihn zu beweisen, daß er auch eine Durststrecke seiner Industrie mit Bravour durchzustehen vermag. „Auto und Motorrad fordern heute den ganzen Mann – in einer Weise, wie es in den sechziger und auch in den siebziger Jahren nicht der Fall war.“ Eberhard von Kuenheim, 52, seit elf Jahren Chef der Bayerischen Motoren Werke AG in München und damit dienstältester deutscher Autoboß, beantwortet so die Frage, ob ihn eine andere Aufgabe vielleicht noch mehr reizen könnte als seine gegenwärtige.

Die Frage kommt nicht von ungefähr. Seit über einem Jahr machen im BMW „Vierzylinder-Hochhaus am Olympiagelände wie auch in der Branche immer wieder Gerüchte die Runde, München werde für Kuenheim nicht die Endstation sein. Der erfolgreiche Topmanager, den BMW-Großaktionär Herbert Quandt 1970 hierher geholt hat, könnte sich, so wurde gemunkelt, aus der unmittelbaren Leitung des heute bei weitem größten Quandt-Unternehmens lösen und in „höhere Ränge“ aufsteigen – etwa in die Konzernzentrale des Großaktionärs nach Bad Homburg überwechseln.

Neuen Auftrieb gab solchen Kombinationen eine vor kurzem bekanntgegebene Personalie: Der im BMW-Vorstand für das Ressort Finanz- und Betriebswirtschaft zuständige Erich Haiber, 55, wird im April „neue Aufgaben bei ausländischen Holdinggesellschaften von BMW“ übernehmen. Als sein Nachfolger wurde der 44jährige Volker Doppelfeld berufen, erst seit Juli 1979 Vorsitzender der Geschäftsführung der gemeinsamen BMW- und Steyr-Daimler-Puch-Tochter in Steyr, deren neues Dieselmotorenwerk mitten im Aufbau begriffen ist.

Dieser Wechsel kommt nicht nur für Außenstehende überraschend. Der angesehene Finanzmann Haiber wird ohne ersichtlichen Grund aufs Altenteil gesetzt, und das Procedere entspricht nicht dem eher dezenten Stil, den Kuenheim bei BMW eingeführt hat.

Im Gegenzug wird Doppelfeld eilig aus Österreich zurückgeholt, obwohl die Fabrik dort erst 1982 voll anlaufen soll. Will sich Kuenheim in einem Schlüsselressort den „Kronprinzen“ heranziehen, um bald für andere Aufgaben bereitzustellen? Die Börsenzeitung gar bemerkte mit einer für das Blatt ungewohnten Direktheit: „Nachdem es nun einmal so ist, daß der Vorstand des Unternehmens jünger wird, muß sich wohl auch der Chef von heute, früher als dies in anderen Unternehmen üblich ist, die Frage gefallen lassen: Wie halten Sie, Herr von Kuenheim, es mit der Nachfolge?“

Der BMW-Chef war über diese Reaktion alles andere als glücklich. Zunächst zeigt er sich, verwundert darüber, daß man „BMW verbieten will, einen neuen Vorstand zu berufen“, dann macht er geltend, daß „die Führungsbasis verstärkt werden muß, da die Aufgaben größer und zahlreicher werden“. Außerdem spielt Kuenheim den Wechsel herunter: Jedes gute Unternehmen müsse von Zeit zu Zeit umorganisiert werden.