ARD, Donnerstag, 15. Januar, 23 Uhr „Ruhige Tage in Moncourt – Besuch bei Patricia Highsmith“, Film von Guy Kubli

Über Patricia Highsmith sind viele, auch viele kluge Dinge geschrieben worden: von Graham Greene, von Gabriele Wohmann, von Helmut Heissenbüttel, von Jürgen Lodemann. Peter Handke widmete der bewunderten Peter legin den Aufsatz „Die privaten Weltkriege der Aufsatz Highsmith“. Auch an Interviews mit der Autorin, die seit vielen Jahren in Moncourt bei Paris lebt, mangelt es nicht. Viele dieser Texte kann man nachlesen in dem 1980 erschienenen Diogenes-Taschenbuch Nr. 223, herausgegeben von Franz Cavigelli und Fritz Senn: „Über Patricia Highsmith“.

Nun also noch ein Film über die einsiedlerische Katzenfreundin, noch ein Blick in die Werkstatt jener Schriftstellerin, deren Romane von so unterschiedlichen Regisseuren wie Alfred Hitchcock, René Clément, Wim Wenders und Hans W. Geissendörfer verfilmt wurden. Filmausschnitte kommen auch reichlich vor: aus „Strangers on a Train“ (der Titel wird falsch zitiert, auch keine Rede davon, daß immerhin Raymond Chandler das Drehbuch schrieb), aus „Nur die Sonne war Zeuge“, „Der amerikanische Freund“ (mit einer völlig falschen Inhaltsbeschreibung) und aus der „Gläsernen Zelle“.

Man sieht das gerne noch einmal, man schaut auch der Highsmith gerne beim Blättern im Familienalbum zu, man be-Blättern sie bei der Gartenarbeit und bei einem – allzu offensichtlich für die Fernsehkamera arrangierten – Gespräch mit einer Freundin. Die Kommentartexte kommen einem seltsam vertraut vor: die üblichen Formeln von der „Meisterin des psychologischen Kriminalromans, wie sie auch bezeichnet wird“, vom „Mord, der den in die Enge Getriebenen als einziger Ausweg bleibt“, von der „phantasievollen Geschichtenerzählerin

Routiniert, glatt, bar einer einzigen originellen Idee: Man muß dieses „Feature“ nicht fürchterlich schlecht finden, nur fürchterlich durchschnittlich. Fast der Idealtyp der gewöhnlichen Dokumentarsendung: unanstößig, phantasielos, gedankenarm, leicht faßlich. Selbst kurz vor Mitternacht wird da nichts riskiert, wird über die bekannten biographischen Floskeln hinaus nichts angetastet, was für das beunruhigende Werk der Highsmith von Bedeutung sein könnte. Wieder einmal nicht die Rede ist zum Beispiel von den gleichgeschlechtlichen Neigungen der Autorin, über die sich im Zusammenhang – mit der Figur des talentierten Mister Ripley wirklich nachzudenken lohnte.

Wir wollen den Autor Guy Kubli nicht über Gebühr schelten: Mehr als das, was da zu sehen und zu hören ist, wird eben im Programmbetrieb nicht oft verlangt. Es gibt wichtige Ausnahmen: neulich den Film von Peter Hamm über Ingeborg Bachmann, viele der Produktionen der Literatur-Redaktion des WDR.

Manches immerhin ist selbst hier ungewöhnlich: daß die Highsmith zum erstenmal vor einer Kamera deutsch spricht, ziemlich gut übrigens, daß einmal ein Gespräch zwischen ihr und ihrer Freundin sich ergibt über das Altwerden, bei dem die beiden Frauen die Anwesenheit des Fernsehteams zu vergessen scheinen. Auch mag interessieren, wen Miß Highsmith für den besten aller Tom Ripleys hält: den jungen Alain Delon in ihrer Lieblingsverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“. Ansonsten empfiehlt sich die Lektüre des Diogenes-Bändchens. Hans C. Blumenberg