Anmerkungen zum Sparen und Verschwenden

Von Jörg Kraft

Wenn Sie wegen eines tropfenden Wasserhahns einen Dichtungsring oder wegen einer neuen Gardine 25 Laufröllchen beschaffen wollen, dann werden Sie an der Verkaufsfront auf bemerkenswerte Schwierigkeiten stoßen. Sie bekommen dergleichen zwar – im Fachgeschäft, im Supermarkt, im Kaufhaus –, aber nicht so, wie Sie es brauchen, sondern in festgelegten Mengen oder Sortierungen: zwei oder fünf Dichtungsringe, 20 oder 50 Gardinenröllchen.

Der Not gehorchend, in die Sie dieser Überfluß bringt, werden Sie mehr kaufen als nötig – wie vorgesehen. Das liegt an der Präsentierschachtel aus mehrfarbig bedruckter Pappe und transparenter Folie, worin die Handvoll Material griffbereit angeboten wird. Den Aufwand des Herstellers ergänzt der Händler mit einem aufgeklebten Preisetikett und der Papiertüte oder Plastikhülle, in der Sie die Ware nach Hause tragen.

Vielleicht werden Sie den zuviel gekauften Dichtungsring und die übrigbleibenden Laufröllchen eines späteren Tages noch verwenden können. Wahrscheinlicher ist aber, daß bis dahin das heute Gekaufte verkramt, vergessen oder untauglich ist. So untauglich wie die Verpackung schon eine Viertelstunde nach dem Kauf.

Mit dieser kleinen Beschaffungsaktion haben Sie ganz beiläufig für den Bau von Kernkraftwerken demonstriert. Denn indem Sie bereit oder genötigt waren, den Preis zu zahlen für solche Praxis, haben Sie sich einbauen lassen in die große Energiebedarfsrechnung, die unsere Verbrauchsgewohnheiten fortschreibt bis ins nächste Jahrtausend, mit der Kernenergie als zwingendem Resultat.

Kurzschluß im Denken