Verschweigen konnte die Redaktion der Bild-Zeitung wohl Rügen des Deutschen Presserats, nicht aber das Urteil des Frankfurter Landgerichts. Im Innern des Blattes erfuhren die Leser, daß vier seiner Mitarbeiter wegen Hehlerei und Diebstahls zu Freiheitsstrafen zwischen drei und acht Monaten (bei Bewährung) und einer zu einer Geldstrafe verurteilt wurden: Sie hatten zwei Jahre zuvor eine aufgebauschte Geschichte über einen sogenannten „Vampir von Sachsenhausen“ mit gestohlenen Photos garniert. Unterschlagen wurde in der Meldung, daß ein Photograph und ein Polizeireporter sogar wegen schweren Diebstahls (Wohnungseinbruchs) belangt wurden. Ebenso fehlte die Höhe der gegen alle verhängten Geldbußen (zwischen 5000 und 15 000 Mark zugunsten der Drogenhilfe).

Vor einigen Monaten hatten die zehn Journalisten im Deutschen Presserat bereits den Mißstand gerügt, daß Zeitungsleute bei der größten deutschen Boulevardzeitung „unter Bedingungen und Erwartungen arbeiten müssen, die Falschberichterstattung, Sensationsmache, Einbrüche in die Intimsphäre und andere Verstöße gegen den Pressekodex fördern“. Mit seinen harten Urteilen, die weit über die Anträge des Staatsanwalts hinausgingen, wollte nun auch das Gericht an die hohe Verantwortung des Journalisten erinnern. Weder das vermeintliche Lesebedürfnis eines Massenpublikums noch Konkurrenz- und Karrieredenken oder materielle Lockungen des Verlages können ihn davon entlasten.

Jener Angeklagte, der da meinte, er könne beim Recherchieren nicht immer mit dem Strafgesetzbuch unterm Arm herumlaufen, hat offensichtlich seinen Beruf mit dem eines Geheimdienstagenten verwechselt. Das Handwerkszeug des Journalisten aber ist der Federhalter, nicht der Nachschlüssel. k. j.