DIE ZEIT

Hans oder Hansen?

Die Unkenrufe waren verfrüht, der Kanzler habe im Koalitionslager keine Mehrheit für seine Verteidigungspolitik mehr. Der Antrag der 24 SPD-Abgeordneten, den Wehretat-Titel "militärische Beschaffungen" um eine Milliarde zu kürzen und diese Summe der Entwicklungshilfe zuzuschlagen, fand fraktionsintern nur 37 Befürworter, von denen viele gleichwohl für den Verteidigungshaushalt stimmen wollten.

Beamte - lieber tüchtig als treu

Alljährlich, wenn am Rhein der Karneval seinem Höhepunkt zustrebt, vollzieht sich in Bonn das gleiche Ritual: Parlamentarier und Politiker, Regierende und Regierte, allen voran der Bundesfinanzminister und der Bund der Steuerzahler, tragen ihre Sparappelle für den öffentlichen Dienst vor – den mit Abstand größten Posten in den Etats von Bund, Ländern und Gemeinden.

Brokdorf spaltet wieder

Anfang nächster Woche will die Hamburger SPD auf einem Parteitag darüber abstimmen, ob das Kernkraftwerk Brokdorf gebaut werden soll oder nicht.

Genickschuß auf Bewährung

Der Schuß in den Hinterkopf blieb ihr erspart. Maos Witwe ist von einem Pekinger Sondergericht zwar zum Tode verurteilt worden, aber mit zweijähriger Bewährung – aus Gründen der Staatsräson und auf Geheiß der Parteiführung, vor der, wie in allen; kommunistischen Staaten, auch in China die Richter strammstehen.

Worte der Woche

"Eine skrupellose Regierung kann man hinnehmen, wenn wenigstens eine wache Opposition das Schlimmste verhindert. Doch in Bonn geht eine große Koalition der Feiglinge gemeinsam vor der Rüstungsindustrie in die Knie.

Berlins neuer ‚,Regierender": Als Hochleistungssportler an die Spree

Sonnabend und Sonntag waren die ersten Arbeitstage des neuen Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Nach seinem überraschend guten Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl im Abgeordnetenhaus berief Hans-Jochen Vogel sogleich eine Senatssitzung ein, beurlaubte die engsten Mitarbeiter seines Vorgängers Stobbe, nominierte Kanzleichef, Büroleiter und Pressesprecher.

Carter dankte Botschafter Ritzel

Die stillen Helfer, die bei der Geiselbefreiung mitwirkten, werden nun noch ein letztes Mal in Anspruch genommen. Gegen diejenigen in Washington, die die Verträge mit dem Iran für null und nichtig erklären wollen, führt Jimmy Carters Chefunterhändler Warren Christopher jetzt das Argument ins Feld, das müsse doch die Länder "sehr überraschen", die dazu beigetragen hätten, den Knoten zu entwirren.

Zeitspiegel

Für Israel taucht ein Problem auf – wie vor vielen Jahren für die DDR: Soll die Postverwaltung künftig Briefe befördern, die Briefmarken tragen, auf denen das Thema "Unveräußerliche Rechte des palästinensischen Volkes" symbolisch dargestellt ist? Die Marken sind von der UN-Postverwaltung aufgelegt worden und werden ab 30.

Abschied in leiser Wehmut

Am Abend des Tages, als der Möbelwagen kam, um die persönliche Habe der Familie Gaus abzutransportieren, war Erika Gaus mit einigen Damen von anderen Missionschefs Zum Bridge verabredet So viele Möbel waren immerhin geblieben.

Nach der Berliner Bewährungsprobe: Die Koalition in der Gefahrenzone

Berlin war in stärkerem Maße, als dies nach außen hin sichtbar wurde, eine Bewährungsprobe der Bonner Koalition. Es ging um den Nachweis, daß die Sozial-Liberalen noch zu einem gemeinsamen innenpolitischen Krisenmanagement willens und fähig sind – und das trotz wachsender Belastungen in Bonn.

Labour droht die Spaltung

Die britische Linke ist berühmt dafür, ihre Lust zur Selbstzerstörung als Willen zum Fortschritt zu tarnen. Statt es bei den jährlichen Konferenzen in Blackpool oder Brighton zu belassen, die seit vielen Jahren die Fernsehzuschauer abstoßen, widersprüchliche Resultate erbringen und immer größeren Dissens demonstrieren, gibt es zusätzliche Sonderparteitage mit einem speziellen Thema und ganz besonderem Ärger.

Islam: Träumereien in Taif

Für die beiden wichtigsten Probleme – die Befreiung Jerusalems und die Beendigung des iranisch-irakischen Krieges – werden die 37 Staatschefs auf der Islamischen Konferenz keine Lösung finden.

Streitereien, Murren und Lücken in der Koalition

Neuer Streit um den Verteidigungsetat, anhaltendes Murren über Nachrüstung und Waffenexport, noch keine Einigung bei wichtigen Einzelheiten der künftigen Montanmitbestimmung, abermals Zwist über die Kernenergie – nie zuvor ist das sozial-liberale Bündnis, zumal sein sozialdemokratischer Teil, mit so vielen inneren Konflikten zum großen Schlagabtausch mit der Opposition in den Ring der Haushaltsdebatte gestiegen wie in dieser Woche.

Südkorea: Chuns Regime wird hoffähig

Der Schritt des südkoreanischen Machthabers Chun Doo Hwan, wenigstens das Leben seines demokratischen Widersachers Kim Dae Jung zu schonen, hat allgemeine Erleichterung hervorgerufen.

Karl-Heinz Hansen: "Parteifremde Politik"

... Auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik ist dieser Eindruck zwingend. Hinter dem Rücken von Fraktion und Partei hat der Bundessicherheitsrat unter Führung von Helmut Schmidt einen U-Boot-Geschäft mit Chiles ,Mörderbande’ zugestimmt.

Polen: Gefahr der Spaltung

Die unabhängige Gewerkschaft war sich selbst unschlüssig, ob es diesmal die richtige Taktik sei, mit Streiks für arbeitsfreie Samstage zu kämpfen.

Deutsches an die Front

Herbst 1978: Auf einem Schießplatz in der Lüneburger Heide läuft ein oft geübtes militärisches Zeremoniell ab: Die Bundeswehr übernimmt ein neues "wehrtechnisches Gerät".

Von Anfang an: staatsfrei nie

Am Anfang stand ein Reichsrecht, einmündend in das "Gesetz betreffend das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches" von 1892. Am Ende stand der totale Staatsrundfunk.

Das Geschenk der Alliierten

Die öffentliche Diskussion über den Rundfunk, über Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik konzentriert sich auf Gegenwart und Zukunft.

Der Fall Simone Langrock

Als ich sie ein letztes Mal umarmte, vor zwei Jahren in Polen, in einer etwas schmuddeligen Bauernküche, sagte ich ihr: "Paß auf euch auf.

Radikalenerlaß: Doppelte Lust

Wanderer, kommst du nach Nellingen auf den Fildern ... In der kleinen Stadt südlich von Stuttgart hat die Teilung der deutschen Gesellschaft in solche, die auf dem Boden der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung (FDGO) stehen, und anderen inzwischen auch die Leute in Bundhosen, Sepplhut und Anorak erfaßt.

Die schattenlose Bilderwelt Legers

Er war ein Mann der Gesinnung. Er war ein Mann der Überzeugung. Er war jemand, dem es ein Leben lang um fundamentale Wahrheiten ging.

Ein Volk von Behinderten

Die Handballspieler des VfL Gummersbach, eine der besten deutschen Mannschaften, waren am vergangenen Wochenende so, wie man es von ihnen kennt: Locker spielten sie ihren Gegner in Grund und Boden.

Ein Sieg der Vernunft

Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, das die Freilassung der Geiseln ermöglichte, ist in vieler Hinsicht vorbildlich.

Großbritannien: Vergoldet

Die Spiel- und Wettleidenschaft der Briten findet immer neue Formen. Neuerdings kann sie sich auch auf dem sonst so nüchternen Gebiet der Festgeldeinlagen ausleben: Standard Chartered Bank, eines der großen britischen Geldinstitute, bietet den Anlegern in Großbritannien ein spekulatives goldenes Einlagenkonto.

Ein notwendiges Übel

Frankreich baut weiter und fast unbehelligt von Protesten einen Atomreaktor nach dem anderen

Sparförderung: Erst denken...

Da haben unsere Finanzkünstler in den Koalitionsparteien wieder einmal etwas vorgeschlagen, ehe sie gedacht haben. Sie wollen im Zuge des Subventionsabbaus die Sparprämien für das Konten- und Wertpapiersparen vollständig aufheben.

Bonner Kulisse

Der erste "Durchblicker" des neuen Jahres ist gefunden. Die fiktive Anerkennungsplakette "Meister des politischen Durchblicks", den DIE ZEIT hier geschaffen hat, hat sich der CDU/CSU-Politiker Carl-Dieter.

Private Krankenkassen: Hart an der Grenze

Kunden für eine kostspielige Vollkrankenversicherung zu finden, wird immer schwieriger. Um zu sparen, weichen bereit? viele Mitglieder der privaten Krankenversicherungen auf höhere Selbstbeteiligung an den Kosten aus.

Öffentlicher Dienst: Kostenlos?

Manches liest sich, wenn man es zum erstenmal sieht, so vernünftig, daß man es am liebsten gleich unterschreiben möchte. Eines dieser so umwerfend plausiblen Papiere stammt von dem Berliner Sozialwissenschaftler Peter Grottian, und es trägt die Unterschriften vieler respektabler Leute.

Jahreswirtschaftsbericht: Schwach sind sie alle

Regierungen zeigen sich zwar recht oft optimistisch, weil sie hoffen, diese Stimmung breite sich in der Bevölkerung aus – vor allem auf den Verlauf wirtschaftlicher Konjunkturen kann sich Optimismus der Investoren und der Verbraucher segensreich auswirken.

Berliner Zeitungsmarkt: "Eine Schlacht verloren"

Was abzusehen war, ist nun eingetreten: Die Zeitung Der Abend in Berlin gibt auf. Das Blatt kränkelte seit langem, aber kurzfristige Hoffnung gab es, als der persische Teppichkaufmann Hossein Sabet im Juli? 1980 den Verlag zu neunzig Prozent vom Frankfurter Spediteur Carl E.

Aktien für die Zahlmeister

Adolf Schmidt, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE), läßt kaum eine Gelegenheit verstreichen, um eine seiner Lieblingsideen zu kolportieren: An der Ruhrkohle AG, der größten Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus, müsse die öffentliche Hand beteiligt werden.

Die Klippen der Kuponschneider

Die Eigenverwahrung von Wertpapieren ist voller Gefahren. Sie mindert aber die Möglichkeiten, "sich in die Bücher sehen zu lassen".

ZEIT spart Geld

Der im internationalen Energiesektor engagierte schweizerische Anlagefonds Energie-Valor (Depotbank Schweizerische Kreditanstalt) erzielte in den ersten sechs Monaten seines am 1.

Immer mehr resignieren

Die Stimmung in den deutschen Börsensälen hat sich deutlich verschlechtert. Es sind nicht nur die steigenden Zinsen und die schwieriger werdende Konjunktur, die das Klima negativ beeinflussen.

Firmen und Fakten

1980 betrug er noch 31 (Vorjahr 32,6) Prozent. Reemtsma-Chef Wiethüchter tröstete sich mit der Feststellung, daß die Verluste im wesentlichen im ersten Halbjahr eingetreten, im zweiten Halbjahr aber Einbußen ausgeblieben sind.

EG-Kommission: Totengräber der Reform?

Noch zehn Tage nach dem Tod von Finn Olav Gundelach wehten vor dem Amtssitz der Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel die Flaggen der zehn Mitgliedstaaten auf halbmast.

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