Reinhard Mohn will auch als Aufsichtsratschef seinen Medienkonzern weiter führen

Von Heinz-Günter Kemmer

Es mag ihm schwerfallen, aber er hält sich an seine eigenen Prinzipien: Reinhard Mohn legt zum 1. Juli den Vorstandsvorsitz bei der Bertelsmann AG in Gütersloh nieder. Einziger Grund dafür ist, daß Mohn am 29. Juni sechzig Jahre alt wird, und einer der zahlreichen Grundsätze des Hauses gebietet, daß die Männer der obersten Führungsebene mit sechzig ihren Schreibtisch zu räumen haben.

Aber da hapert es bei Mohn schon, denn sein Arbeitszimmer wird er nicht aufgeben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Mohn, der er vom 1. Juli an sein wird, bleibt an eben dem Schreibtisch sitzen, der bisher dem Vorstandsvorsitzenden Reinhard Mohn diente. Ein – zugegeben sehr äußerliches – Indiz dafür, daß sich bei Bertelsmann so schrecklich viel nicht ändern wird?

Mohn widerspricht dem ganz energisch, aber er verwickelt sich dabei Selbst in Widersprüche. Ganz offensichtlich hat er über das Pro und das Contra der nach landläufigen Vorstellungen vorzeitigen Pensionierung intensiv nachgedacht. Und so sprudelt aus ihm heraus, was gegen einen Manager jenseits der Sechzig spricht: Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit lassen nach, ein durch frühere Meriten erworbener Bonus führt dazu, daß ein Leistungsabfall nicht erkannt wird. Die Flexibilität geht verloren, der Mann ist nicht mehr bereit, alles Neue mitzumachen.

Für sich freilich läßt Mohn das alles nicht gelten. „Ich bin voll intakt“, sagt er und fügt selbstbewußt hinzu: „Der Wechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, von dem an ich es noch gut fünf Jahre machen könnte, ohne daß das Unternehmen dabei schlecht fahren würde.“

So bleibt als plausibler Grund – von den Prinzipien des Hauses einmal abgesehen – eigentlich nur dies: „Ich möchte es nicht darauf ankommen lassen, einen Wechsel zu einer Zeit zu machen, zu der ich es nicht mehr beeinflussen kann.“