Der Staatsanwalt ermittelt gegen "Abend"-Verleger: Betrag und keine Sozialabgaben

Hossein Sabets Vorgänger haben immer nur halbe Sachen gemacht. Die früheren Verleger der Berliner Zeitung "Der Abend" konnten das kranke Blatt nicht revitalisieren, aber sie mochten es auch nicht sterben lassen. Der letzte in der Reihe, der Teppichkaufmann Sabet, hat es nun geschafft, und zwar gründlich. Während er noch Ende Januar erklärte, der "Abend" werde nur vorübergehend eingestellt, ist nun längst klargeworden, daß die Zeitung so tot ist wie die vielen anderen Blätter, die in den letzten Jahrzehnten in Berlin das Leben lassen mußten.

Sabet selber hat freilich neue Pläne: Er verhandelt, sagt er, mit namhaften Persönlichkeiten, damit der "Abend" unter neuer Regie erscheinen kann.

Die Liste der Zeitungstitel, die nur noch eine Erinnerung an frühere Zeiten sind, ist lang: Die "Neue Zeitung", die von der amerikanischen Besatzungsmacht gegründet worden war, stellte Anfang 1955 ihr Erscheinen ein. Die CDU-nahen Zeitungen "Der Tag" und "Der Kurier" verschwanden nach einer kurzlebigen Fusion Anfang 1967 vom Markt. Mitte 1972 schließlich wurde die Berliner Zeitungslandschaft um die SPD-Blätter "Telegraf" und "Nachtdepesche" armer, die kurz zuvor noch – wie auch der "Abend" – ein Senatsdarlehen von 2,5 Millionen Mark als Überlebenshilfe kassiert hatten.

Nun also ist auch der "Abend" tot, und das ist nicht nur die Pleite einer seit vielen Jahren schlecht geleiteten Zeitung, für die es durchaus Marktlücken und Chancen gegeben hätte, sondern auch die Niederlage eines Mannes, der sich die Rettung einer Zeitung viel zu einfach vorgestellt hatte und der das Nichtbezahlen von Rechnungen anscheinend für ein Überlebenskonzept hielt. Die unbezahlten Rechnungen, Zahlungsverpflichtungen und Kreditschulden addieren sich zu beträchtlichen Summen.

Die Mercator-Druckerei, an der der "Abend"-Verlag zur Hälfte beteiligt ist, macht 775 000 Mark unbezahlte Druckkosten geltend. Die Setzerei Kleindienst fordert 368 000 Mark und sitzt auf zwei ungedeckten Schecks über je 60 000 Mark. Die AOK Berlin hat 120 000 Mark und die Banner Ersatzkasse 40 000 Mark nicht abgeführter Sozialabgaben angemahnt.

Der Berliner Senat verlangt die sofortige Rückzahlung des Pressedarlehens von 2,5 Millionen Mark, weil dieses Darlehen seinerzeit zur Erhaltung der Pressevielfalt in Berlin gegeben worden sei, die Voraussetzung dafür nun aber mit der Einstellung des "Abend" entfallen wäre. Und die Sparkasse der Stadt Berlin muß um einen Kredit von über einer Million Mark zittern, der gegen zum Teil recht merkwürdige Sicherheiten – wie die Abtretung aller Ansprüche des "Abend" gegen seine Anzeigenkunden – gegeben worden ist.