Hat Wim Wenders gefilmt, wie Nicholas Ray stirbt? Nachdem Wenders Ray erzählt hat, er arbeite an „Hammett“, und Ray Wenders erzählt hat, er habe die vergangene Nacht an „We can’t go home again“ gearbeitet, da sagt Wenders zu Ray, er wolle mit ihm reden. „Worüber? Übers Sterben?“

Dann erst kommt der Vorspann, plötzlich steht da Ronee Blakeley (die Frau von Wenders) und singt das Titellied, und plötzlich fragt Ray jemand außerhalb des Bildes, ob er in der vorangegangenen Szene geraucht habe, und Wenders fragt ihn, ob er soweit sei: „Ich bin nicht gekommen, um übers Sterben zu reden, Nick“, und diesen Satz wiederholt Ray, und den nächsten auch: „Aber wir werden darüber reden müssen.“ Das ist mit einer Video-Kamera aufgenommen.

Beide machen einen Film zusammen: Nicholas Ray spielt Nicholas Ray und Wim Wenders spielt Wim Wenders. Aber wie soll man das auseinanderhalten können? Wie geht man um mit diesen Unterschieden? Diskretion zu wahren angesichts der Realität des Sterbens: Das heißt in diesem Film zusehen, nicht wegzusehen, nicht absehen von der Wirklichkeit, sondern sie zu reflektieren: innerhalb des Films selbst.

Die Wirklichkeit zur Wirklichkeit des Films machen: das muß auch in die Struktur der Filme eingehen. Immer wieder wird die Tiefe und Klarheit der Filmbilder unterbrochen durch die Flächigkeit und Unsauberkeit der Videoaufnahmen: als solle der Film bewußt zerstört werden, Schönheit und Kontinuität sich gar nicht erst entfalten dürfen.

Am Ende des Films, in einer artifiziellen Szene, liegt Nicholas Ray auf einem vor einer weißen Wand stehenden Krankenbett und redet mit Ronee Blakeley, und auf einem Stuhl neben diesem Bett sitzt Wim Wenders. Plötzlich sitzt dort Nicholas Ray, und der auf dem Bett liegende Wenders hat einen Streifen rotes Licht quer über der Brust. Ray hält einen Monolog direkt in die Kamera, dann sagt er: „I’m finished, alright?“ Wenders sagt „Say ‚cut‘“. Ray sagt: „Say ‚cut‘? Go ahead.“ Wenders sagt „Don’t cut“. Aber Ray sagt: „Cut.“