Von Hermann Bößenecker

So eine alte Schmiede wie Triumph-Adler und ein anständiger Kerl wie Weers – das ist doch eine gute Sache.“ Diese „gute Sache“, von der ein Mann aus der Branche so flapsig spricht, hat sich das Volkswagenwerk etwa 630 Millionen Mark kosten lassen: die Triumph-Adler AG für Büro- und Informationstechnik (TA) in Nürnberg. Seit zwölf Jahren ist Gerd E. Weers, 53 Jahre alt, ihr Chef.

Die Wolfsburger sind nun dabei, die Perle, die sie vor zwei Jahren erworben haben, so zu fassen, wie es ihren Vorstellungen entspricht. Das geht nicht ohne Streß für Weers ab, der im letzten Jahrzehnt die Firma konsequent von der Mechanik hin zur Elektronik geführt hat – beharrlich, sich selbst nicht schonend, in seinem Führungsstil nicht ohne autoritäre Züge.

Weers geht nun mit großem Engagement auf die Wünsche der Wolfsburger ein, die ihren Finanzchef Friedrich Thomée als Vorsitzenden in den Aufsichtsrat delegierten und den Ehrgeiz haben, ihre teure Akquisition durch großzügige Geldspritzen und ein neues Organisationskonzept so rasch wie möglich für den harten Marktkampf der achtziger Jahre zu rüsten. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt die Branche, ob dieser Kraftakt gelingt.

Das Unternehmen, das viele Jahre respektable Gewinne abwarf, wird für 1980 erstmals einen Verlustabschluß vorlegen, bei dem das Minus etwa fünfzig Millionen Mark betragen dürfte. Grund: „zusätzliche Ausgaben“ von etwa 75 Millionen Mark für die Stärkung des Entwicklungspotentials und den Anlauf neuer Produkte. Damit wird eine neue Phase in der Entwicklung der heute so eng miteinander verbundenen Firmen eingeleitet.

Die „alte Schmiede“ hat eine recht wechselvolle-Geschichte. Adler war 1880 in Frankfurt, Triumph 1896 in Nürnberg gegründet worden, beide, zunächst als Motorradfirmen. Schreibmaschinen kamen erst später hinzu. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm zeitweise Adler auch die Produktion von Autos auf.

In der Zweiradkrise Mitte der fünfziger Jahre kamen beide Unternehmen ins Schleudern. Max Grundig, damals auf dem ersten Höhepunkt seines Schaffens und mit dem Diktiergerät Stenorette bereits im Bürogeschäft, kaufte hintereinander Triumph und Adler, die in den roten Zahlen steckten und billig zu haben waren.