Italien besteht nicht nur aus Küsten- und Kunststädten, Touristenzentren und Ruinen, das Ziel deutscher Sehnsucht bietet im Landesinneren ungeahnte Naturschönheiten. Ein Abstecher in einen der italienischen National- oder Naturparks lohnt sich auf jeden Fall.

Im Jahre 1922 wurde der erste italienische Nationalpark am Gran Paradiso im Aostatal gegründet. König Victor Emanuel III. hatte dem Staat ein Areal aus seinem Privatbesitz zu diesem Zweck übereignet, um selten gewordene Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung zu bewahren. Es war an der Zeit: Steinböcke zum Beispiel waren zu Beginn unseres Jahrhunderts in den italienischen Alpen kaum noch zu sehen. Inzwischen klettern auf den Felsen des Gran Paradiso wieder rund 3500 herum. Es gibt kaum Straßen, die diese Landschaft zerschneiden, dafür aber ein Wanderwegnetz von rund 470 Kilometern. Bei Führungen werden seltene Pflanzen und Tiere beobachtet. Auskünfte bekommen naturinteressierte Italienurlauber beim Hauptbüro des Gran Paradiso Nationalparks, Via della Rocca, 1-10123 Turin.

Noch intakte Landschaft findet der Besucher auch im Nationalpark Stilfser Joch im Trentino. Zentrum ist die Ortler-Cevedale-Gruppe mit fast 4000 Meter hohen Gipfeln und über 100 Gletscher, berühmt ist der Park vor allem für seine Hirsche, Rehe und neuangesiedelten Steinböcke. Autos müssen auf den Parkplätzen an den wichtigsten Zugangsstellen bleiben, dafür gibt es fast 200 Wanderwege. Die Verwaltung (Ufficio Amministrazione Parco Nazionale dello Stelvio, Via Monte Braulio 56 in Bormio) veranstaltet Führungen durch die Täler.

Der Abruzzen-Nationalpark ist bekannt geworden durch die dort lebenden Braunbären – und die einzigen freilebenden Wölfe im westlichen Europa. Die letzten Exemplare dieser Tierarten zu erhalten, hat viel Mühe gekostet, aber inzwischen leben in diesem Schutzgebiet immerhin wieder etwa 80 Braunbären und ein gutes Dutzend Wölfe. Über 350 Abruzzen-Gemsen klettern über die schroffen Felsen. Auf Grund besonderer Klimaverhältnisse wachsen die verschiedensten Pflanzen: von mediterranen Gewächsen wie der Steineiche bis hin zu nordischen Pflanzen wie der Heidelbeere. Für Besucher des Parks ist es sehr schwierig, freilebende Tiere zu beobachten; die „Bekanntschaft“ mit den Menschen hat Wölfe und Braunbären zu Nachttieren werden lassen, die sich nur noch bei Dunkelheit aus ihren Verstecken trauen. Urlauber, die mehr über dieses Reservat erfahren möchten, können sich bei der Direktion des Nationalparks Abruzzen in 1-67032 Pescasseroli erkundigen.

Außer diesen drei erwähnten offiziellen Nationalparks gibt es noch eine Reihe von Naturschutzgebieten; fast alle befinden sich in den alpennahen Provinzen. So zum Beispiel der Naturpark Schiern (bei Völs/Südtirol), der Naturpark Tessa (Texelgruppe/Südtirol), der Naturpark Puez/Geisler (Grödental/Südtirol) und der Naturpark Adamello-Brenta (Trentino), wo ebenfalls noch einige Braunbären leben, der Naturpark Panveggio-Pale di San Martino (Trentino) sowie das Naturschutzgebiet Circeo (Latium), gelegen an der Küstenstraße Ostia–Anzio.

Weitere Auskünfte gibt’s beim Staatlichen Italienischen Fremdenverkehrsamt in 4000 Düsseldorf, Berliner Allee 26. Ausführlich beschrieben sind diese Schutzgebiete sowie andere Naturdenkmäler und landschaftlich besonders schöne und interessante Gebiete im BLV Natur-Reiseführer Italien (534 Seiten, 49 Mark). Hella Leißner