Obwohl der Aktienmarkt hin und wieder in den Sog steigender Zinsen zu geraten droht, führt er seit Wochen ein erstaunliches Eigenleben, Da ist weder etwas vom teuren und knappen Geld zu spüren noch von der sich nun rasch abkühlenden Konjunktur. Die diesjährigen Tarifverhandlungen, obwohl entscheidend für die Ertragssituation der Unternehmen, spielen nicht einmal am Rande eine Rolle. Der Aktienindex liegt nur wenig unter seinem Stand vom Jahresbeginn.

Wenn der Aktienmarkt von nahezu allen Negativfaktoren unberührt geblieben ist, hat er dies einmal einigen reichen Ölstaaten zu verdanken, die ungeachtet aller Zins- und Wechselkurshemmnisse erstklassige deutsche Aktien aus dem Markt nehmen, sowie solchen institutionellen Anlegern, die jetzt Substanz vor Rendite stellen. Und da es kaum Aktienbestände gibt, die mit Bankkrediten finanziert worden sind, gibt es auch keine kursdrückenden "Notverkäufe".

Erstaunlich war in den letzten Tagen das Interesse für Bank-Aktien. Die Käufer haben gedanklich das für einige Institute katastrophale Ertragsjahr 1980 bewältigt und gehen von steigenden Gewinnen in diesem Jahr aus. Dabei wird vorausgesetzt, daß die Zinsen am Jahresende niedriger liegen als heute, 1981 also keine Wertpapierabschreibungen mehr anfallen. K. W.