Wenn angesichts immer neuer Leistungsbilanz-Defizite und schwächer werdender Konjunktur vom "Engerschnallen" des Gürtels (Otto Graf Lambsdorff) und ähnlichem die Rede ist, dann erhebt sich meist nur spärlicher Protest – für die Erzeugung stärkerer Gefühlsregungen sind diese Formeln wohl zu vage. An zwei aktuellen Beispielen aus dem Bereich der Wohnungspolitik indes läßt sich dartun, wie sich solche Mäßigung in der Praxis auswirkt.

So ist zum einen geplant, die durchschnittliche Größe von Sozialwohnungen etwas zu verringern – in der drei Jahrzehnte währenden Geschichte des bundesdeutschen Sozialen Wohnungsbaus hat es derlei noch nicht gegeben. Noch Ende der sechziger Jahre maß die Durchschnittssozialwohnung etwas über sechzig Quadratmeter; inzwischen sind es rund 85 Quadratmeter.

In Bremen soll diese Fläche bereits von diesem Jahr an auf achtzig Quadratmeter reduziert werden. Und auch die ebenfalls sozialdemokratisch geführten Hessen werden mit vorn sein. Die Minderung der Wohnstandards hat, so scheint es schon begonen – nicht nur im Sozialen Wohnungsbau.

Zum anderen will auch der Staat dazu beitragen, den Wohnaufwand zu senken. Nordrhein-Westfalens zuständiger Minister Christoph Zöpel und sein Bonner Kollege Dieter Haack halten bereits nach einem Projekt Ausschau, bei dem das Übermaß staatlicher Normen und Auflagen gesenkt werden könnte. Denn in kaum einem anderen Land der Welt haben Bürokraten und Behörden die Wohnstandards so hochgetrieben wie in der Bundesrepublik. Häuser, die etwa in den Niederlanden oder in England bereits Mittelklasse repräsentieren, würden von deutschen Bauämtem gar nicht erst genehmigt, weil die Mauern nicht dick, die Statik nicht verschwenderisch und die Sicherheitsvorkehrungen nicht übertrieben genug wären.

Architekten vissen von dieser Hybris der Auflagen – sie werden oftmals von Bau zu Bau schlimmer – ein Lied zu singen. Und so nimmt es denn nicht wunder, wem vor allem die beiden Minister ihre Sparidee verdanken:VolkwinMarg, Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

Die Klagen der kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände darüber, daß ihren Mitgliedern nicht nur das lukrativeGeschäft des staatlich geförderten Sparens genommen werden soll, sondern daß Teilen von ihnenobendrein Steuererhöhungen ins Hats stehen, dürften zumindest für die in Bonn von Helmut Geiger repräsentierten Sparkassen nicht umsonst gewesen sein.

Denn es scheint inzwischen fast sicher zu sein, daß ihnen der Gesetzgeber spätestens für das Jahr 1983 eine Verbesserung ihrer Eigenkapitalbedingungen spendieren wird. Das bedeutet: Sie dürfen mehr Geschäfte machen. Und die Städte und Landkreise, denen die Sparkassen gehören, kostet das keinen Pfennig. Denn allein die Tatsache, daß sie als die sogenannten "Gewährträger" für die Sicherheit ihrer Institute haften, soll künftig mit einem fiktiven Zuschlag auf das tatsächlich vorhandene Eigenkapital der einzelnen Sparkassen honoriert werden.