Auch wo es am Glauben nicht fehlt, hört man solche Botschaft allenfalls berührt, kaum betroffen: Ächtung aller Kernwaffen, Vertrauen über alle politischen Grenzen hinweg, nie wieder Krieg. Was anderes sollte schließlich ein Papst fordern, wenn er von Hiroshima aus der Welt ins Gewissen redet? Und doch war dieser Appell am Ende der Asienreise Johannes Paul II. mehr, als fromme Pflichtübung. Es ist etwas anderes, irgendwo mit Argumenten und Fäusten für und wider die Atomkraft zu streiten oder aber am Ort ihres ersten äußersten Mißbrauchs zu sprechen, wo nicht ein Zufall oder Unfall am Werk war, sondern die Stunde eines Countdown geschlagen hatte, der seither zu den Eventualfällen der "normalen" Strategie aller Großmächte gehört.

In Hiroshima, wo der Besucher im Gedenkmuseum mit dem Schicksal einer ahnungslosen Stadt konfrontiert wird, die binnen Sekunden zur Feuerhölle wurde, vor den Bildern der Leichenberge, vor denverkrüppelten Überlebenden, die von Strahlungsschäden und Brandmalen gezeichnet blieben, verliert das Wort "Frieden" alles Phrasenhafte. Und der Vorwurf der Utopie, der sich an einen Papst richten kann, der gegen alle Atomwaffen predigt, wird zum Bumerang. Freilich, welche Erfolgsaussichten hat der gesunde Menschenverstand im Zeitalter der Ideologie gegen atomare Realpolitik? Auf dem Rückflug sagte der Papst: "Ich bin kein Ideologe. Aber, wenn man sieht, wie heute mit den materiellen Kräften der Welt gespielt wird, dann muß man auch alle geistigen Kräfte ins Spiel bringen."

Nicht mehr und nicht weniger bedeutet die schon seit seiner Rede vor den Vereinten Nationen unverkennbare Nähe dieses Papstes zum klassischen Pazifismus. Der steht ja vor allem deshalb unter Ideologieverdacht, weil der Begriff "Frieden" oft genug auf das Niveau anmaßender Machthaber und leerer Schwätzer heruntergekommen ist. hjst.