Die Folgen von Brokdorf und den Berliner

Hausbesetzungen

Von Marion Gräfin Dönhoff

Eigentlich hatte niemand damit gerechnet, daß der Marsch der 70 000 nach Brokdorf – diesem Symbol des Anstoßes – so glimpflich verlaufen werde. Denn Brokdorf ist zum Wahrzeichen, ja, zum Gessler-Hut einer Gesellschaft stilisiert worden, die nicht zulassen will, daß andere Lebensvorstellungen realisiert werden als die, die nun einmal seit jeher im Schwange sind. SPD und CDU, Behörden und Demonstranten, Gerichte und Journalisten, fast alle hatten gemeint, es werde zu Schlägereien, Tumulten, Brutalitäten aller Art kommen. Niemand hätte sich gewundert, wenn am Schluß Tote auf der Walstatt gelegen hätten.

Die Bewunderung, die allenthalben den friedlichen Demonstranten zuteil wird, die viel dazu beitrugen, die Gewalttätigen zurückzuhalten, und das Lob, das der Polizei gezollt wird, die in dieser schwierigen Lage taktisch klug, dienstlich gelassen und menschlich umsichtig vorging, ist vollauf berechtigt und wohl verdient. Aber wenn erst die Erleichterung darüber, die alle beschwingt, verflogen ist, dann werden die harten, grundsätzlichen Probleme wieder deutlich hervortreten.

Was soll aus diesem Staat werden, so wird die Jeremiade vieler Bürger lauten, der ein Verbot ausspricht, das von 70 000 Leuten übertreten wird, ohne daß etwas geschieht? Und nicht nur das: Die Obrigkeit ist sogar noch dankbar und ganz gerührt, daß bei diesem Unternehmen bloß 128 Polizisten verletzt, zwei Wasserwerfer zerstört und nur das Gebäude einer Kläranlage in Brand gesteckt worden ist.

Eskalation der Gewalt