Von Clodwig Poth

Als ich von Düsseldorf nach San Juan auf Puerto Rico flog, neun Stunden lang, hatte ich Zeit zum Gedankendröseln. Und da kam mir dann die Idee zu einer neuen Form der organisierten Gesellschaftsreise.

Nicht von ungefähr: In 10 000 Meter Höhe, mitten über dem Atlantik, führte man uns, die wir doch alle die Tropen im erwartungsvollen Sinne hatten, einen Film vor, dessen schwachsinnige Handlung sich fast ausschließlich zwischen Schlittschuhbahnen und hohen Schneewächten bewegte. Was für eine verpaßte Gelegenheit! Wo ich mir doch dauernd vorstellen wollte, wie es damals da unten war auf den ersten Schiffen, die das riesige Wasser überquerten. Silbrig schimmernd sah ich es unter mir, seit Stunden schon.

"Vergangenheitsreisen" würde ich sie nennen als Marketingdirektor einer Reisegesellschaft, die sich entschlösse, meine Idee zu verwirklichen. Die Reise, auf der ich mich gerade befand, sollte mit dem Slogan "Tun Sie es Kolumbus gleich" verkauft werden. Und schon im Flugzeug müßten Filme gezeigt werden, die – teils wissenschaftlich, teils mit packenden Aktionsszenen – das elende Leben der Seeleute von damals nahezubringen hätten.

Im nachhinein finde ich die Idee mit der Vergangenheitsreise gar nicht so dumm. Ich möchte sie ein wenig weiterspinnen.

Nach meinem Konzept steigen die Reisenden aus dem winterkalten Deutschland in San Juan aus dem Flugzeug in die feuchte Sommerhitze – noch tief beeindruckt von der Mühsal derer, die als erste hierher kamen. Das lästige Herumgewarte beim Auschecken in Winterkleidung und 30 Grad Wärme vergleichen sie in Gedanken mit der schwierigen Suche nach einem Ankerplatz, und später sinken sie dankbar, weil schlechten Gewissens, in jedes Hotelbett, welcher Kategorie auch immer, derer gedenkend, die an feuchten Gestaden erst einmal Behausungen errichten mußten in der Schwüle der Nacht.

Vom nächsten Morgen an werden meinen Vergangenheitstouristen locker unterhaltsame Halbtagesprogramme geboten, deren erstes der Fauna und Flora des Landes gewidmet ist und unter dem Motto steht: "Wunder über Wunder".