Nun ist mal wieder alles vorbei. Den Schlußpunkt hat der Herr Senator für Bundesangelegenheiten der Freien Hansestadt Bremen, Günther Czichon, gesetzt, mit seinem Bremer Katerfrühstück am Aschermittwoch. Bonn beginnt sich wieder zu normalisieren, wenn denn anormal war, was sich über die Karnevalstage abgespielt hat. Denn in der Wirklichkeit ist die politische Kapitale von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch tot – so tot und still wie sonst nur zu Weihnachten oder im tiefsten Sommerschlaf.

Das Parlament zieht es seit Jahren ohnehin vor, die tollen Tage zu meiden. Und der Kanzler pflegt sich den Umtrieben des rheinischen Winterbrauchtums – wie der wissenschaftlich abgesegnete Ausdruck lautet – nach einem flüchtigen Empfangstribut an das Bonner Prinzenpaar durch den Wechsel in sein Hamburger Privatquartier zu entziehen – ein Karnevalsflüchtling wie so viele, die für eine knappe Woche in die Eifel oder den Westerwald Reißaus nehmen.

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Freilich, ganz Bonn kann natürlich nicht emigrieren und will es auch gar nicht, schon deshalb nicht, weil der Bundestroß ja kräftig von rheinischen Elementen durchsetzt ist. Also gibt es auch im Bundesbezirk so etwas wie eine Karnevalskultur und sogar Ansätze, sie zu bereichern. Peter M. Schmidhuber etwa, der bayerische Bevollmächtigte in Bonn, versucht ein wenig Münchner Fasching zu importieren und lädt, mit großem Erfolg, gleich zu Anfang der Saison zu einem "Ball der Südlichter" in die bayerische Landesvertretung.

Auch sonst gibt es eine Menge närrischer Symbiosen. Das Bundesministerium der Verteidigung zum Beispiel, auch in dieser: Hinsicht generalstabsmäßig organisiert, besitzt einen regelrechten Festausschuß. Und an "Wieverfastelobend", dem Donnerstag vor Rosenmontag, an dem die Weiber die totale Herrschaft ergreifen, ganz im Sinne einer Eruption gegen die Bonner Männergesellschaft, findet sich kein Amt und Ministerium, in dem es nicht mehr oder minder hoch herginge. Wer da, nicht mit rheinischer Muttermilch getränkt, noch ausharren muß, durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Nicht ganz ohne Stolz berichtete etwa der Hanseat Kurt Becker, daß er schon mit mehreren karnevalistischen Orden dekoriert, worden ist; im übrigen aber habe er an Weiberfastnacht die Regierungssprechergeschäfte sozusagen "in aller Schüchternheit" tapfer weitergeführt.

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Eine Ausnahme macht stets nur das vornehme Auswärtige Amt. Dort erleiden die diskreten Amtsvorgänge keine Unterbrechung, mit Rücksicht auf die Völkerpsychologie. Jedenfalls spielt sie eine Rolle in der inoffiziellen, gewissermaßen in Nadelstreifen gekleideten Erklärung, die sich das Amt zurechtgeschneidert hat: Die ausländischen Gäste könnten das, was an Weiberfastnacht geschieht, vielleicht nicht in einen sinnvollen Zusammenhang mit der Arbeit des Außenministeriums bringen.