ZEIT: Herr Orgaß, der Bundesvorstand der CDU hat einen Antrag zur Wohnungsbaupolitik vorgelegt, der im Mittelpunkt des Mannheimer Parteitages am 9. und 10. März stehen wird. Halten Sie dieses Papier angesichts der krisenhaften Zuspitzung der Wohnungssituation für eine echte Alternative zur Regierungspolitik?

Orgaß: Die CDU hätte in der Tat die Chance, ein zentrales innenpolitisches Feld mit einer glaubwürdigen Alternative zu besetzen. Das Versagen der Regierungskoalition in der Wohnbaupolitik wird ja immer augenscheinlicher. Aber leider zeichnen sich auch im Antrag des CDU-Vorstandes die notwendigen Kurskorrekturen nicht ab, die vor allem in den Ballungsgebieten für Abhilfe sorgen.

ZEIT: Nach Ihrer Ansicht verspielt die CDU diese Chance?

Orgaß: Leider ja. Es hätte eine Sternstunde sein können, denn in ihrer Präambel zu dem Antrag hat die CDU sehr zutreffend auf die Probleme in den Großstädten hingewiesen und mehr soziale Treffsicherheit bei allen Maßnahmen gefordert. Die anschließenden Thesen werden dieser Erkenntnis aber bedauerlicherweise nicht gerecht.

ZEIT: Wo sehen Sie die Schwachpunkte?

Orgaß: Die drei wesentlichen Forderungen – verstärkte Förderung des Wohnungseigentums, stärkere steuerliche Begünstigung des Investors und ein Bündel von Maßnahmen ausgerechnet zur Erhöhung des Mietniveaus insgesamt – tragen kaum zur Überwindung der aktuellen Probleme bei. Die Eigentumsförderung in der bisher praktizierten Form greift fast ausschließlich in ländlichen Gebieten und nützt in den Städten nur Spitzenverdienern.

ZEIT: Der Einfluß auf die Vermögensverteilung geht also in die falsche Richtung?