Mit neuen militärischen und wirtschaftlichen Hilfen will Präsident Reagan die Junta in El Salvador stützen. In Washington stößt die Lateinamerika-Politik der Republikaner auf keine nennenswerte Opposition.

Die amerikanische Regierung ist fest entschlossen, mit neuen militärischen und finanziellen Hilfen die Junta in El Salvador an der Macht zu halten. Daran mag der Bonner Versuch, zwischen dem sozialdemokratischen Guerillaführer Gillermao Ungo und Juntachef José Duarte zu vermitteln, gescheitert sein. Dank Washingtons Entschiedenheit ist der Sieg der salvadorianischen Regierungstruppen über die Insurgenten im Nordosten des Landes schon jetzt fast sicher. Washington verstärkt sein Kontingent von 25 auf 45 Militärberater. Sie kommen nicht mit leeren Händen, sondern bringen für 50 Millionen Mark Waffen mit: Hubschrauber, Gewehre, Siks, Radargeräte. Zwar werden die Berater nicht in Kampfgebieten auftreten, doch tragen sie neuerdings Waffen "zur Selbstverteidigung". Schon Jimmy Carter – hatte dem salvadorianischen Regime für 20 Millionen Mark Aufrüstungsgegenstände aus dem Reservoir des Pentagon überlassen. Damit konnte die Junta die Januaroffensive der Guerilleros niederschlagen.

Zu den amerikanischen Hilfstruppen gehören fünf Nachrichtenoffiziere, die freilich "nicht an Verhören teilnehmen werden" (so ein Sprecher des Außenministeriums). Bisher haben in dem grausamen Krieg 14 000 Tote in dreizehn Monaten – die meisten Gefangenen des Regimes "Verhöre" nicht überlebt.

Derweil scheint sich das benachbarte Nicaragua nicht an seine inoffizielle Zusage zu halten, den Waffennachschub für die Revolutionäre zu unterbinden. Außenminister Haig hat den Sandinistas in Managua angeblich eine Frist gesetzt, die Ende. März, ablaufen soll.

Neben der militärischen Unterstützung gewährt Washington der Junta in El Salvador wahrscheinlich bald auch massive Wirtschaftshilfe. In den ersten zwei Monaten des Jahres waren zwar schon 126 Millionen Mark in die Kasse des Regimes geflossen; doch, die Volkswirtschaft der Republik liegt nach dem Exodus der Kaffeejunker gen Miami am Boden. Zur Debatte steht in diesen Tagen in Washington ein 400-Millionen-Mark-Hilfsprojekt. Die World Bank hat allerdings ein Entwicklungsprogramm soeben eingestellt, weil sie um die Sicherheit ihrer Berater fürchtet.

Nicht überrascht zeigt sich das amerikanische Außenministerium darüber, daß der lateinamerikanische Zweig der "Sozialistischen Internationale" Willy Brandt als Makler der Junta und den Guerrilleros vorgeschlagen hat. Daß sich die Vereinigten Staaten auf solche Vermittlungen einlassen, ist. allerdings sehr unwahrscheinlich.

Die bisherige Politik wird in Washington auch in anderer Hinsicht als halber Erfolg gewertet: Moskau nämlich distanziert sich regelmäßig von der Logistik der Insurgenten – man habe bisher und werde auch in Zukunft keine Waffen nach El Salvador liefern. Gleichzeitig landen allerdings weiterhin Aeroflot-Maschinen in Managua.