Noch vor Ostern soll in Großbritannien eine sozialdemokratische Partei gegründet werden. Gemeinsam mit den Liberalen will sie den großen Parteien den Rang ablaufen.

Zwölf Abgeordnete bilden die neue sozialdemokratische Gruppe im Unterhaus. Sie repräsentieren zwölf Wahlkreise von unterschiedlicher Begeisterung für die "dritte Kraft", die noch vor Ostern die Gewalt einer Partei annehmen soll. Der Termin ist vorverlegt worden. David Owen, William Rodgers, Shirley Williams und Roy Jenkins haben bemerkt, daß der Impetus der Neugründung verlorengehen könnte, würde man bis zum Sommer warten. Dann nämlich wird Thronfolgerhochzeit gefeiert, da will nicht jeder viel von Politik hören.

Zwölf Abgeordnete, das ist einer mehr als die Liberalen vorweisen können. Doch selbst zusammen- – genommen bildet die halblinke

Allianz ein verschwindend kleines Häuflein im Parlament, knapp vier Prozent. Da Shirley Williams und Roy Jenkins kein Mandat haben, ist die Fraktionsführung der Sozialdemokraten an David Owen gefallen. Jeden Donnerstag wird er sich mit dem Chef der Liberalen, David Steel, zu Absprachen treffen. Wenn diese Zusammenarbeit reibungslos klappt, kann Steel im Herbst seinem Parteitag vorschlagen, auch bei den nächsten Wahlen zu kooperieren.

Die beiden Davids werden es nicht leicht miteinander haben. Vom historischen Wandel der britischen Parteienlandschaft zu sprechen, ist verfrüht. Wenn die Sozialdemokraten, wie sie sagen, auf. dem Boden des letzten Labour-Wahlmanifests stehen, das noch die Handschrift von James Callaghan trägt, dann befinden sie sich gleichwohl weit links von den Liberalen, zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik.

In anderen Fragen liegt es umgekehrt: David Steel möchte die unabhängige britische Atomstreitmacht abschaffen, David Owen als ehemaliger Außenminister weiß, daß das nicht so einfach geht. Seine Gruppe hält nur die Kosten der neuen Trident-U-Boote (20 Milliarden Mark) für unerträglich hoch. In der Verteidigungsdebatte dieser Woche war dies der erste Mißklang zwischen den neuen Verbündeten. Ihre Entschuldigung lautet, es sei ein Mißverständnis gewesen.

Worauf setzen die beiden Davids ihre Hoffnung? Die weit nach, rechts und links abgerutschten großen Parteien haben das, was viele Wähler an ihnen seit langem aussetzen, inzwischen fast ins: Unerträgliche gesteigert. Die soziale Rücksichtslosigkeit der Tories und, das autoritäre Gehabe der Labour-Partei-Aktivisten werden, bis zu den nächsten Wahlen kaum vergessen sein. Kein vernünftiger Mensch, so hofft die neue Allianz, wird Margaret Thatcher zum zweiten oder Tony Benn zum erstenmal wählen. Da ist also viel Platz in der Mitte.

Karl-Heinz Wocker (London)