Mit Beifall wurde nicht gespart, als Hans Hermsdorf, Präsident der Landeszentralbank Hamburg, vor Kunden der privaten Berenberg-Bank seine Gedanken zur wirtschaftspolitischen Lage zum besten gab. Zwar nahmen sie mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis, daß die Bundesbank wohl auf längere Zeit an ihrer Hochzinspolitik festhalten wird. Entschädigt wurden sie aber durch das, was Hermsdorf den verantwortlichen Politikern und Gewerkschaftern ins Stammbuch schrieb. Er ließ dabei kein Fettnäpfchen aus.

In der Beschäftigungspolitik müsse man den Begriff "Zumutbarkeit" weniger extensiv auslegen, meinte er mit Blick auf die hohe Arbeitslosenzahl. Die Lohnformel, nach der der Arbeitnehmer mindestens den Produktivitätsfortschritt sowie die zu erwartende Preissteigerungsrate herausholen müsse, sei verhängnisvoll. Für ihn ist es rätselhaft, wie man gegen den weiteren Ausbau der Kernenergie, aber gleichzeitig gegen Waffenexporte nach Saudi-Arabien, für einen geringeren Verteidigungsbeitrag und für mehr Entwicklungshilfe sein könne.

Nun steht Hermsdorf nicht etwa der CDU nahe. Er ist vom SPD-regierten Stadtstaat Hamburg in den Zentralbankrat entstandt worden und war vorher Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Von der sogenannten Basis hat er sich allerdings noch nie abhängig gemacht. K. W.