Von Marietta Riederer

Die Messe der italienischen Herrenausstatter, "Pitti Uomo" in Florenz, hat jetzt dem Mann von Welt gezeigt, wo’s topmodisch langgeht bis zum nächsten Winter: Old England-Trend auf italienisch modernisiert, angeboten in drei Versionen – im Schneider-Stil, schlank und korrekt im "Nach-Maß-Look" und sportlich aktuell als Country-Style. Dandy-Extreme wurden hier wie dort eliminiert. Luxus, besonders im Hinblick auf Stoffe, kennt keine Grenzen. Vom Millionärskaschmir über Alpacca, Lama-Mohair-Qualitäten zu neuen flacheren Tweeds, Donegals und reinseidenen Hemden legionenweise reicht die Skala der Möglichkeiten modischer Selbstbestätigung.

Für Mode-Liebhaber und ihre Begleiterinnen hier einige Informationen, die den Kenner ausweisen: Krawatten sind höchstens acht Zentimeter an der breiteten Stelle. Klubstreifen, Schotten, kleine Jagd- oder Wappenmotive erscheinen auf stumpfer oder hochglänzender Seide und auf Wollmousseline. Die Unikrawatte begleitet öfter als bisher den korrekten Anzug. Strick-Krawatten bleiben fünf Zentimeter breit. Farbige Strickhemden (Polos) werden immer mit Wollkrawatten getragen, nur wenn sie offenbleiben, erscheint die Krawatte darunter am Popelinehemd. Krawatten sind edle, handgenähte Kostbarkeiten, von Kennern sofort erkannt.

Leichte jacquardgemusterte V-Pullover lassen sich gut in die Hosen schieben – man will wieder kostbare Gürtel .zeigen. Westen, entweder aus dem Stoff des Anzugs oder unifarben, sollen als Kontraste wirken, also dunkel zum hellen oder hell zum dunklen Anzug sein. Die neuesten Westen lassen sich siebenmal knöpfen, dann enden sie ohne Ecken und werden bis zum letzten Knopf geschlossen.

An Oberhemden macht sich der Button-down-Kragen wieder öfters bemerkbar. Sehr elegant ist der Piccadilly-Kragen mit Goldnadel, und als Klassiker gilt der Kent-Kragen, der wie die Manschetten auch in Weiß am farbigen Hemd angeboten wird.

Die kleine Billettasche oberhalb einer der Sackotaschen wird wieder propagiert. Comeback auch für das farbige seidene Einstecktuch in Farbe des Pullovers, der Weste oder der Krawatte, als kleiner fröhlicher Wimpel oder recht lässig in die Brusttasche gesteckt, ein Farbtupfer. Nicht zu vergessen: Zweireihige Sakkos haben steigende, einreihige jedoch immer fallende Revers. Der Kombinationsanzug mit sportlichem Zveiknopfsakko zu schlank geschnittenen Hosen, die sich dem Fuß zu 26 cm breit verjüngen, mit oder ohne Aufschlag, bleibt Topmode des Alltags.

Neben den klassischen Stadtmänteln aus edelstem Material läuft noch immer der Lodenmantel mit geringen Variationen im echten Lodengrün. Als dunkelblauem Loden zeigen sich auch Dufflecoats mit Kapuze, Lederknebeln oder Goldknöpfen. Knallrote oder zitronengelbe Kaschmirschals mit oder ohne Fransen passen zu beiden. Aber Sieger scheint der Trench-Look zu werden. Als Trenchcoat in bewährter Art, mit breitem Reverskragen, gut zum Hochstellen, wird er immer mit langen Gürteln fest abgebunden. Ob aus Tweed, Kamelhaar, aus Cordsamt oder Leder konkurriert er nur mit den neuen Trenchjacken. Auch sie werden mit Gürteln salopp zugebunden, andere Jacken werden mit Durchzuggürteln in Taillenhöhe markiert. Montgomery-Jacken mit Druckknopfverschluß, riesigen aufgesetzten Taschen und geräumig eingesetzten Ärmeln aus imprägnierter Wolle und, Steppfutter sehen prima zu langen Lederhosen, aus. Jacken drängen sich also in den Vordergrund, beeinträchtigen aber keinesfalls liebgewonnene Blousons aller Arten und Längen.