Hamburg

Auf einem Parlamentarischen Abend der Hamburger Bürgerschaft in der vergangenen Woche erinnerte Parlamentspräsident Peter Schulz an die älteren Mitbürger. Er sagte: "Wir sollten einmal darüber nachdenken, ob wir – und das gilt für alle Parteien – auch heute in ausreichender Weise bereit sind, den Älteren echte politische Mitwirkung zu ermöglichen. 30 Prozent der wahlberechtigten Bürger unseres Stadtstaates sind älter als 60 Jahre. Als ich 1961 zum erstenmal in die Bürgerschaft gewählt wurde, waren 40 Prozent der Abgeordneten älter als 60 Jahre. Zu Beginn dieser Legislaturperiode waren es rund fünf Prozent.

Damals; bestand die Gefahr der Überalterung, heute sind wir in der Gefahr, daß die Alteren aus der politischen Verantwortung in den Parteien und in den Parlamenten fast vollständig herausgedrängt werden. Damit geht der Politik ein erhebliches Kapital an Lebenserfahrung und Lebensweisheit verloren, und ich habe Zweifel, ob wir uns das leisten können und dürfen!

Ich fürchte, daß dies etwas zu tun hat mit der Verschlechterung des Klimas in den Parteien; mit der Tatsache, daß in den Parteien die politischen und persönlichen Auseinandersetzungen unduldsamer, härter, kälter geworden sind; daß ein Stück Menschlichkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Politik hat in erster Linie die Aufgabe, ein menschenwürdiges Leben für alle zu ermöglichen und zu sichern. Alle Parteien müssen sich fragen, ob sie in Zukunft noch imstande sein werden, diese Aufgabe zu erfüllen, wenn in ihnen selbst Duldsamkeit, Toleranz, Freundschaft und menschliche Wärme noch mehr verloren gehen sollten.

Der Anteil der Älteren an der Gesamtheit unserer Bürger wird in den 80er Jahren noch steigen. Auch deshalb muß unsere Gesellschaft für den älteren Menschen wieder mehr eine ‚Heimat‘ bieten und besondere, auf sie zugeschnittene Möglichkeiten der Teilhabe entwickeln. Die sich allmählich bildenden Seniorenbeiräte sind nur ein erster Schritt. Ihnen sollten weitgehend Anhörungsrechte gegenüber der Verwaltung eingeräumt werden. Für Demokratisierung ist hier noch ein weites Feld."