Von Gunter Hofmann

Als Wissenschaftssenator in Berlin konnte Peter Glotz nachempfinden, wie es dem Minister Egon Bahr einst ergangen ist. "Was mache ich eigentlich nachmittags?" hatte der sich gefragt. Das eigene Haus war in Schuß, Energien und Kapazitäten noch frei.

Als Bundesgeschäftsführer der SPD hat sich Egon Bahr die Frage gewiß nicht mehr gestellt. Zum Abschied aus seinem Amt nach vier strapaziösen Jahren ächzte er, es habe oft an Kraft und Zeit gefehlt, um über das nachzudenken, was möglich und notwendig sei. Seinem Nachfolger Peter Glotz, der besonders gern darüber mutmaßt, wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen soll, wird es kaum anders ergehen. Man kann ihn gewiß nicht um das beneiden, was ihn als neuen Geschäftsführer in Bonn und frischgebackenen Landesvorsitzenden in Berlin erwartet. Glotz, gerade wieder einmal auf dem Flughafen, Kurs Berlin, seufzt: "Ich beneide mich selber nicht."

Er seufzt, aber es klingt auch lustvoll. Um die neue Aufgabe in Berlin an der Spitze der SPD, die er nur auf Zeit ausüben will, hat er sich nicht gerissen. Aber wenn wenigstens ein Hauch von "Neuanfang" in der Partei zu spüren sein soll, dann nur mit einem, der mehr ist als Ausdruck oder Opfer Berliner Krankheiten. Und das kann man von Glotz sagen. Vielleicht hat er sich um den Job eines Bundesgeschäftsführers der SPD in Bonn nicht gerade gerissen, aber erträumt hat er sich diese Rolle schon seit langem.

Je höher die Problemberge sich türmen, um so mehr scheint es Peter Glotz zu reizen, hinaufzuklettern. Andere entdecken gerade einen Hügel in der Ferne, Glotz ist schon unterwegs und liefert am nächsten Tag einen Augenzeugenbericht. Eine gewisse Besessenheit, Neugier und Rastlosigkeit, Kommunikationsbereitschaft, auch eine ziemliche Arbeitswut, alles kommt bei ihm zusammen. Dieser Peter Glotz aus Eger in Böhmen, der gerade seinen 42. Geburtstag feiert, nennt sich einen "Berufspolitiker", einen aus der neuen Generation.