Von Jörg Reckmann

Die verschlungenen Pfade der Pariser Buslinien waren bisweilen selbst für Einheimische schwer zu entwirren. Dank eines speziellen Busführers ist es nun jedoch auch Ortsunkundigen vergönnt, dieses Verkehrsmittel ohne unliebsame Überraschungen zu benutzen. Der in der "Edition Europa" erschienene "Guide Paris Bus" gibt Auskunft über jede einzelne der rund 80 Buslinien, über Umsteigemöglichkeiten, Abfahrtszeiten, Haltestellen.

Besser als ihr Ruf sind die gedrungenen grünen Stadtbusse ohnehin, seitdem sie auf eigenen Fahrspuren das Verkehrsgewühl durchqueren. Da der Pariser Autofahrer über eiserne Nerven verfügt und nur die allen gemeinsame Mißachtung der Verkehrsregeln das rollende Chaos am Stillstand hindert, bleibt jede Busfahrt freilich immer noch ein kleines Abenteuer. Gegenüber dem Benutzer jener gläsernen Fahrzeuge, die der Stadtrundfahrt dienen, haben die Gäste des gemeinen Omnibusses jedoch den unübersehbaren Vorteil, aussteigen zu können, wann immer es angebracht erscheint. Sei es, weil der Bus durch einen Lastwagen blockiert wird, aus dem ein blutbefleckter Mann Schweinehälften entlädt, oder aber, weil das Bistro an der Ecke einladend aussieht.

Mit einigem Geschick lassen sich überdies individuelle Besichtigungstouren zusammenstellen. Die Pariser Nahverkehrsbetriebe, RATP, haben zu diesem Zweck für 17 touristisch interessante Routen Streckenerläuterungen herausgegeben. Welche davon gerade vergriffen sind, erfährt der Gast unter 2 65 31 18 oder bei einem Besuch des RATP-Büros, 53 bis, Quai des Grands Augustins, direkt an der Seine zwischen Pont Neuf und Pont St. Michel.

Aus unbekannten Gründen sind diese Streckenpläne nur in französischer Sprache erhältlich.

Einige Besonderheiten sind bei der Busbenutzung dennoch zu beachten:

  • An Sonn- und Feiertagen sowie nachts ruht der Busverkehr bis auf spezielle Linien fast völlig.
  • Einige Haltestellen werden nur bei Bedarf angefahren. Ein Handzeichen genügt, um den Fahrer zum Halten zu bringen, zum Aussteigen drückt man das entsprechende Knöpfchen im Innern des Busses.
  • Wegen der großen Zahl von Einbahnstraßen und speziellen Fahrspuren liegen sich die Haltestellen der gegenläufigen Fahrtrichtung nur in den seltensten Fällen so nahe gegenüber wie in der Bundesrepublik. Wenige Schritte weiter in einer Parallel- oder Seitenstraße findet sich jedoch die gesuchte Haltestelle der Gegenrichtung. Im "Guide Paris Bus" sind die einzelnen Haltestellen aufgelistet, und zwar für jede Buslinie, versehen mit den jeweiligen Straßennamen und Hausnummern.
  • Fahrscheine sind in jeder Metrostation zu haben. Ein "carnet" zweiter Klasse (10 Fahrscheine) kostet zur Zeit 17,50 Francs. Die Einteilung in Tarifzonen sollte den busfreudigen Gast nicht schrecken, für längere Strecken müssen zwei Fahrscheine entwertet werden, und die Hinweisschilder an den Haltestellen verraten durch farbige Markierungen, wieviel Scheine in den Entwertungsschlitz gesteckt werden müssen.
  • Wesentlich bequemer sind spezielle Touristentickets, die für zwei Tage 45 und für sieben Tage 75 Francs kosten. Mit diesen Zeitfahrscheinen können alle Pariser Verkehrsmittel benutzt werden: rund um die Uhr, so oft der Gast es wünscht und in der Metro sogar 1. Klasse. Allerdings lohnt sich die Anschaffung erst bei mehr als elf Fahrten in zwei Tagen, legt man den Preis für die