Das Voraussehbare gewinnt Gestalt: Auch die Japaner mögen nicht mehr so viel arbeiten. Aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommen Nachrichten, daß Gewerkschaften und Regierung auf eine Verkürzung der Arbeitszeit dringen. Und auch die Sozialleistungen sollen verbessert werden.

Damit vollzieht sich, mit einer gewissen Zeitverzögerung, in Japan die gleiche Entwicklung wie in anderen hochindustrialisierten Ländern. Ist die Anfangsphase überwunden, so führt die steigende Produktivität für die Arbeitnehmer zu höheren Löhnen, mehr Freizeit und größerer sozialer Sicherheit.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Der Kostenvorteil der japanischen Industrie wird geringer und damit auch die Bedrohung der deutschen Unternehmen durch Konkurrenten aus Nippon. Schon haben japanische Autofabrikanten ihre Preise bis zu zehn Prozent erhöht.

Entwarnung? Der Japan-Schock hat die deutsche Industrie aufgerüttelt, zu neuen Anstrengungen stimuliert. Sogar die schon totgesagte optische Industrie bringt wieder Spitzenprodukte made in Germany auf den Markt. Nun in trügerische Selbstzufriedenheit zu verfallen, wäre gefährlich. Selbst wenn die Japaner demnächst vielleicht in der Woche zwei Stunden weniger arbeiten als bisher, arbeiten sie im Jahr immer noch 300 Stunden mehr als die Deutschen, hm