DIE ZEIT

Der Rechtsstaat in Gefahr?

Eigentlich hatte niemand damit gerechnet, daß der Marsch der 70 000 nach Brokdorf – diesem Symbol des Anstoßes – so glimpflich verlaufen werde.

Die erste Brücke

Angst und Abscheu vor den liberalen Ideen waren so stark", schrieb Alexander Herzen Mitte des vorigen Jahrhunderts über Rußland, "daß die Regierung sich nicht mehr mit der Zivilisation aussöhnen konnte .

Irre Logik

Dank einem Urteilsspruch der zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts in Bremen ist für den Fortbestand der Bundeswehr gesorgt, auch wenn demnächst die geburtenschwachen Jahrgänge aus der Zeit nach dem "Pillenknick" herausleben Jeder junge Mann, der einen Führerschein besitzt, muß dienen.

Der Appell von Hiroshima

Auch wo es am Glauben nicht fehlt, hört man solche Botschaft allenfalls berührt, kaum betroffen: Ächtung aller Kernwaffen, Vertrauen über alle politischen Grenzen hinweg, nie wieder Krieg.

Worte der Woche

"Kein künftiger Papst wird jemals noch weiter von der Ewigen Stadt wegreisen könen – es sei denn, er nimmt sich ein Raumschiff zum Mond, eine Herausforderung, von der viele meinen, daß sie für Eure Heiligkeit durchaus eine große Versuchung darstellen könnte.

Zeitspiegel

Willy Brandt ist unter die Wahlhelfer gegangen – in Frankreich. Für seinen Gesinnungs- und Wanderfreund François Mitterrand, der gern im Mai Staatspräsident werden möchte, hat er die folgende, in Anzeigen verbreitete Widmung gedichtet: "Die Vielfalt der Talente François Mitterrands, die von ihm verkörperte erstaunliche Symbiose eines Mannes vom Land und eines klar denkenden Politikers üben einen Reiz aus, der in einer Epoche der oft zu schnellen und technokratischen Karrieren nur geworden ist.

Der Marsch der Siebzigtausend

Brokdorf: Der Bürgerkrieg fand nicht statt – Friedfertigkeit überwog, die Gewalttätigen blieben eine winzige Minderheit

Der Majdanek-Prozeß: "...als wären wir Vieh"

Der Fröhlichkeit hatte der Schrecken zu weichen. Zum Erschrecken über das, was im Schwurgerichtssaal 111 des Düsseldorfer Landgerichts seit nunmehr 451 Sitzungstagen – das sind zusammengenommen fünf Jahre und drei Monate – zur Sprache gekommen ist, reicht es ohnehin nur noch für wenige und nur noch in Ausnahmefällen: für ein paar Zuhörer und bei besonders erschütternden Zeugenaussagen, wie sie etwa letzte Woche von den beiden Anklägern in ihren Plädoyers noch einmal zitiert wurden.

Ruhe nach dem Putsch

Die Veranstaltung war schon lange geplant, doch plötzlich erhält sie eine von tiefer Symbolik geprägte Aktualität: Auf dem langgestreckten Hof der Militärakademie von Saragossa präsentiert sich an diesem regnerischen, von kühlen Windböen durchpeitschten Tag König Juan Carlos zum erstenmal wieder in der Öffentlichkeit.

England: Halblinke Allianz

Zwölf Abgeordnete bilden die neue sozialdemokratische Gruppe im Unterhaus. Sie repräsentieren zwölf Wahlkreise von unterschiedlicher Begeisterung für die "dritte Kraft", die noch vor Ostern die Gewalt einer Partei annehmen soll.

Polen: Geplänkel um Kanias Rede

Mit Aufmerksamkeit wurde in Polen der 26. Parteitag der KPdSU in Moskau verfolgt. Zufrieden registrierte man, daß die Gegner der Reformpolitik im sozialistischen Lager auf erneute Angriffe verzichteten.

Südkorea: Gezielte Amnestie

Wenige Stunden nach einem Appell von amnesty international, die Menschenrechte in Südkorea zu achten, verkündete der neue starke Mann des Landes die bisher größte Amnestie seit Bestehen des Staates.

Ein Tribut an den Karneval

Nun ist mal wieder alles vorbei. Den Schlußpunkt hat der Herr Senator für Bundesangelegenheiten der Freien Hansestadt Bremen, Günther Czichon, gesetzt, mit seinem Bremer Katerfrühstück am Aschermittwoch.

El Salvador: Rückhalt für die Junta

Mit neuen militärischen und wirtschaftlichen Hilfen will Präsident Reagan die Junta in El Salvador stützen. In Washington stößt die Lateinamerika-Politik der Republikaner auf keine nennenswerte Opposition.

Angriff aus dem All

Als Springers Hörzu, die auflagenstärkste Fernsehzeitschrift Europas, am 19. Februar in Berlin zum 16. Mal ihren TV-Preis "Goldene Kamera" an zehn Mattscheibenakteure der öffentlich-rechtlichen deutschen Programme von ARD und ZDF vergab, servierte der Verleger und Sponsor den meist ahnungslosen Preisträgern und Gästen eine Delikatesse besonderer Art: Nur leicht verklausuliert verkündete er das alsbaldige Ende des "rechtlichen oder faktischen Monopols" von ARD und ZDF an, "mag die Politik auch noch ihre Rückzugsgefechte führen".

Ein Kanal für die Verleger

Felix Schmidt, bis Ende 1980 Programmdirektor Fernsehen des Südwestfunks, hat kurz vor seinem Weggang zum Stern eine Rede gehalten, die der Sender sorgfältig geheimhält.

Statt Vielfalt nur noch Einfalt

Die Chance, als Leser deutscher Tageszeitungen in Zukunft korrekt über Satellitenfernsehen unterrichtet zu werden, hat sich mit der in der vergangenen Woche beschlossenen Zusammenarbeit von Zeitungsverlegern und Radio-Télé-Luxembourg (RTL) noch verschlechtert.

Televisionen aus der Steckdose

Seit die Bundesregierung im Herbst 1979 die von der Post geplante Vollverkabelung in elf deutschen Großstädten aus medienpolitischen Gründen rigoros beschnitten hat, ist die Bundespost dem Verdacht ausgesetzt, sie sei schuld an einem Investitionsstau in Millionen-, wenn nicht sogar in Milliardenhöhe.

Gesellschaftsgeschichte: Was Könige stiften

Die deutsche Vaterlandsliebe", schrieb Bismarck, "bedarf eines Fürsten, auf den sich ihre Anhänglichkeit konzentriert. Wenn man den Zustand fingierte, daß sämtliche deutsche Dynastien plötzlich beseitigt wären, so wäre nicht wahrscheinlich, daß das deutsche Nationalgefühl aller Deutschen in den Fraktionen europäischer Politik völkerrechtlich zusammenhalten würde, auch nicht in der Form föderierter Hansestädte und Reichsdörfer.

Des Reiches Herrscherglanz

Es mußte, seit Wiederentdeckung der Geschichte, jemand auf die Idee kommen, die Geschichte der gekrönten und gesalbten Herrscher der deutschen Reiche zu illustrieren.

Holt Euch bei den Alten Rat!

Auf einem Parlamentarischen Abend der Hamburger Bürgerschaft in der vergangenen Woche erinnerte Parlamentspräsident Peter Schulz an die älteren Mitbürger.

Arbeitslose von morgen

In der Bundesrepublik suchen weit über eine Million Menschen vergeblich Arbeit, viele davon hatten noch nie eine Chance, beruflich tätig zu sein, andere leben seit langen Monaten von Unterstützung.

Die Zeichen an der Wand

Hermann Josef Abs, der große alte Mann unter den Bankiers, ist in den sechziger Jahren nicht müde geworden, den unschätzbaren Wert hoher Exportüberschüsse für die Bundesrepublik zu preisen.

Konjunkturpolitik: Fettnäpfchen

Mit Beifall wurde nicht gespart, als Hans Hermsdorf, Präsident der Landeszentralbank Hamburg, vor Kunden der privaten Berenberg-Bank seine Gedanken zur wirtschaftspolitischen Lage zum besten gab.

Bonner Kulisse

Wenn angesichts immer neuer Leistungsbilanz-Defizite und schwächer werdender Konjunktur vom "Engerschnallen" des Gürtels (Otto Graf Lambsdorff) und ähnlichem die Rede ist, dann erhebt sich meist nur spärlicher Protest – für die Erzeugung stärkerer Gefühlsregungen sind diese Formeln wohl zu vage.

Im Trend

Das Voraussehbare gewinnt Gestalt: Auch die Japaner mögen nicht mehr so viel arbeiten. Aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommen Nachrichten, daß Gewerkschaften und Regierung auf eine Verkürzung der Arbeitszeit dringen.

Heizölverbrauch: Interessenten

Es mag sein, daß die Deutschen lieber hohe Preise für Benzin zahlen als zu Fuß zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Lohnpolitik: Denkanstoß für später

Die Tarifpolitik ist in Bewegung geraten: Neunzehn Professoren haben eine "Lohnpause" vorgeschlagen, um eine Erholung der Wirtschaft einzuleiten; im Baugewerbe wurde eine Lohnerhöhung um vier Prozent vereinbart; in der Metallindustrie gab es nach dem Auslaufen der Friedenspflicht die ersten Warnstreiks; für den öffentlichen Dienst und die Textilindustrie fordern die Gewerkschaften sieben Prozent mehr.

Wirtschaftspolitik: Die Zwillingskrise

Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl besuchte die amerikanische Hauptstadt in einem Augenblick, da dort die Verstimmung über ein Kanzler-Interview zur US-Zinspolitik des Zentralbankpräsidenten Paul A.

Eine Chance vertan

Gerhard Orgaß kritisiert die Vorschläge des CDU-Bundesvorstandes zum Wohnungsbau

Doppelter Desch

Seit Ende Februar gibt es auf dem deutschen Buchmarkt zwei Bücher des französischen Erfolgsautors Frederick Leboyer. Das eine, hierzulande erstmals 1974 erschienen, heißt "Der sanfte Weg ins Leben" und kommt aus dem Verlag Kurt Desch in München.

Großbritannien: Der ungeliebte Aufkäufer

Innerhalb von weniger als zwei Wochen haben drei der bedeutendsten Zeitungen Großbritanniens den Eigentümer gewechselt: Der Australier Rupert Murdoch verleibte seinem sich über drei Kontinente erstreckenden Presseimperium die Times und die Sunday Times ein, die er dem Kanadier Thomson abkaufte; nun hat der von Tiny Rowland beherrschte Mischkonzern Lonrho den Observer, Großbritanniens älteste Sonntagszeitung, von der amerikanischen Ölgesellschaft Atlantic Richfield übernommen.

Computerindustrie: IBM zeigt Wirkung

Der Kampf zwischen Japan und den USA um Dominanz in der Elektronik tritt in eine neue Runde: Kein geringerer als der Computerkoloß IBM sieht sich nach neuen Partnern um, die dem Giganten Luft verschaffen gegenüber der ebenbürtigen Konkurrenz aus Nippon.

Gewerkschaftsjugend: Zucht und Zunder

Mit ihrer Jugend hatten sie alle einmal Ärger – die politischen Parteien ebenso wie die Gewerkschaften. Im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erhitzte vor geraumer Zeit die Debatte um die kommunistische Unterwanderung der Jugend die Gemüter.

Manager und Märkte

"Wenn einer viel Zeit und Geld hat", so ein Insider, "dann kann er sich leisten, als One-Dollar-Mann der Politik unter die Arme zu greifen.

Zeitraffer

Ein nicht gerade rosiges Jahr sagen die Prognostiker des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung den westlichen Industrieländern voraus.

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