Dank einem Urteilsspruch der zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts in Bremen ist für den Fortbestand der Bundeswehr gesorgt, auch wenn demnächst die geburtenschwachen Jahrgänge aus der Zeit nach dem "Pillenknick" herausleben Jeder junge Mann, der einen Führerschein besitzt, muß dienen. Zu dieser verpflichtenden Erkenntnis gelangten die bremischen Richter am Fall eines Wehrdienstverweigerers, der Auto fährt. Als Verkehrsteilnehmer, so argumentierten sie, müsse er stets damit rechnen, eine latente Gefahr für das Leben anderer Menschen zu sein. Wenn er gleichwohl weiterhin fahre, nehme er das Risiko, einen anderen zu töten, bewußt in Kauf. Deshalb sei seine Behauptung, er verweigere den Wehrdienst aus Gewissensgründen, nicht glaubwürdig, weil nicht "vorher geistig durchdacht und verarbeitet".

Der Verweigerer hatte das Gericht zuvor auf den wesentlichen Unterschied zwischen Autofahrer und Soldat hingewiesen: Beim einen müsse es nicht notwendig zum tödlichen Unfall kommen, der andere sei im Ernstfall zur Tötung von Menschenleben bestimmt. Im übrigen: Selbst wenn er schuldlos einen Menschen zu Tode brächte, würde ihn dies in Gewissensqualen stürzen.

Es half alles nichts. Nur wenn er bereit gewesen wäre, seinen Führerschein abzugeben, hätte der Wehrdienstverweigerer vor seinen Richtern bestehen können. Die, wie sie meinen, "logische Konsequenz" gilt dann also auch für Berufskraftfahrer, überhaupt für jeden, der das Automobil braucht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder anderen helfen zu können. Und sie gilt, so darf man annehmen, erst recht für Ärzte, denen ja ab und zu ein Patient unter dem Messer wegstirbt.

Eine wahrhaft irre juristische Logik hat hier das allgemeine Lebensrisiko technischer Zivilisation mit der Pflicht zum Töten gleichgesetzt. Doch trösten wir uns: Juristen waren in Deutschland noch nie sonderlich geschickt, wenn sie versuchten, ihre Vorurteile und Voreingenommenheiten als Einsichten auszugeben. Daher stammt auch die alte Spruchweisheit: Bei Gott und den deutschen Gerichten ist nichts unmöglich.

H. Sch.