"Vorläufige Beruhigung", Roman von Peter Renz. Elite der sogenannten 68er Generation nicht vorwerfen, daß sie in den reichlich zehn Jahren, die sie inzwischen von ihren damaligen Blütenträumen trennt und in denen sie, zuweilen schmerzlich, daraus erwachen mußte, nicht hinreichend gedruckte Zeugnisse vom langen Marsch durch die Frustrationen vorgelegt hätte. Meistens authentisch-langweilige, dokumentarisch-angestrengte, literarisch-bemühte und, dies vor allem, wehleidig resignierende. Das alles kann man dem Roman von Peter Renz nicht vorwerfen. Er erzählt lebendig, unsentimental, vielschichtig und sympathisch von den beruflichen und menschlichen Gegenwartsproblemen und Zukunftsängsten, die eine junge Frau und ihr Mann (der Ich-Erzähler) hierzulande haben können, nein, auch haben, wenn man eine halbwegs politisch bewegte Studentenvergangenheit hinter sich, eine Überprüfung der "rechten Gesinnung" zur Übernahme in den Staatsdienst vor sich hat. Renz erweist sich mit diesem ersten Roman nicht nur als große (allenfalls noch etwas ungezügelte) literarische Begabung, sondern er beweist auch Sinn fürs Ironische und Satirische. (Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg, 1980; 485 S., 32,– DM.)

Alexander U. Martens

Rechtshilfen, von Albrecht Brühl. Für alle, die – ob zu Recht oder zu Unrecht – mit dem Gesetz in Konflikt kommen, gibt es nun zwei brauchbare Bücher: Albrecht Brühl: "Die Rechte der Verdächtigten und Angeklagten" (Beltz Verlag, Weinheim, 1981; 281 S., 19,80 DM) und im gleichen Verlag, vom selben Autor: "Die Rechte der Verurteilten und Strafgefangenen" (214 S., 17,– DM). Brühl schildert ausführlich, welche Rechte dem Einzelnen zustehen. Der inhaftierte Zeitgenosse wird erstaunt feststellen, welche Rechte ihm eigentlich zustehen und wie wenig er davon in der Vollzugswirklichkeit merkt: Dem Gefangenen sollen bekanntlich "Fähigkeiten und Willen zur verantwortlichen Lebensführung vermittelt werden". Das Leben im Vollzug ist den allgemeinen Lebensbedingungen soweit wie möglich anzugleichen. Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken. Der Gesetzgeber hat im Strafvollzugsgesetz mächtig auf die Spruchpauke gehauen. In keinem sozialen Bereich klaffen die vom Gesetzgeber proklamierten Ziele und ihre Realisierung so auseinander wie im Strafvollzug. Wie aber sollen Rechtsbrecher Achtung vor dem Gesetz bekommen, wenn der Vollzug ein Gesetz, das Inhaftierte betrifft, selbst bricht? Im Verwahrknast kann niemand verantwortliche Lebensführung lernen. Ernst Klee