"Wenn einer viel Zeit und Geld hat", so ein Insider, "dann kann er sich leisten, als One-Dollar-Mann der Politik unter die Arme zu greifen." Manfred Emcke (47) ist so ein Mann. Er soll künftig den Bundesverteidigungsminister Hans Apel dabei unterstützen, Planungs- und Finanzprobleme mit den Problemen von Haushalts- und Dienstrecht in Einklang zu bringen.

Doch so ganz genau scheint der Emcke-Job im Ministerium noch nicht beschrieben zu sein. Denn Apel will sich erst noch einmal mit "Herrn Emcke zusammensetzen, um sein Aufgabengebiet endgültig zu umreißen und noch einige andere Dinge zu regeln". Für Apel ist daher die Sache "leider vorzeitig auf den Markt gekommen". Lieber hätte der wegen der Finanzierungsprobleme um ., das Kampfflugzeug Tornado unter politischen Durck geratene Minister "gern noch vierzehn Tage gewartet, um dann in einem Schlag zu sagen, der ist es und soundso läuft es".

Schon seit fast einem Jahr steht Apel mit Emcke, den er vor rund zwölf Monaten in Hamburg kennengelernt hatte, im Gespräch. Damals war dem Minister die Erkenntnis gekommen, "industriellen Sachverstand in unserem Hause zu verankern". Nach den Wahlen sei das Gespräch dann fortgesetzt worden. Anders als Ernst-Wolf Mommsen freilich, der einst als Staatssekretär ebenfalls zum One-Dollar-Tarif dem damaligen Verteidigungsminister Helmut Schmidt assistierte, ist für Emcke nur eine Beraterfunktion ohne Macht vorgesehen.

Großindustrielle Erfahrungen freilich bringt der gebürtige Neumünsterianer eher aus Aufsichtsratskenntnissen, denn aus eigener Fronterfahrung ein. Seine Managerlaufbahn startete er als Mittdreißiger bei der Wuppertaler Teppich- und Haushaltsgerätefirma Vorwerk + Co. Dort machte er Schlagzeilen als Expansionist und Umsatzmacher. Nach siebenjähriger Tätigkeit schied er dort, inzwischen persönlich haftender Gesellschafter, zwar hochdotiert, aber im Streit mit der Eigentümer-Familie Mittelsten-Scheid aus.

Keine zwei Jahre dauerte der nächste Emcke-Job: 1974 übernahm er die Führung im Hamburger Zigaretten- und Bierunternehmen Reemtsma, das vor allem im traditionellen Zigarettengeschäft mit stetig sinkenden Marktanteilen zu kämpfen hatte. Zwar gelang es auch hier, eine Trendwende herbeizuführen, was ihm prompt den Ruf des "harten Sanierers" einbrachte – aber wie erfolgreich sein Konzept wirklich war, ist nicht mehr festzustellen, denn nach 18 Monaten schied Emcke – wieder im Streit mit der Eigentümer-Familie – bei Reemtsma aus. Die Probleme aber sind beim Hamburger Zigarettenkonzern dieselben geblieben. Nur die von Emcke lancierte. Marke R6 fällt etwas aus dem Rahmen der Erfolgslosigkeit.

Seine aktive Managementtätigkeit hat Emcke mit dem Reemtsma-Job beendet. Seither firmiert er als "Berufs-Aufsichtsrat". In acht Aufsichtsgremien deutscher Unternehmen gibt Emcke derzeit Rat und Denkanstöße, so bei Conti-Gummi, der Westfalenbank, dem Düsseldorfer Maschinenhersteller Schiess AG und Tchibo. Bei der im vergangenen Jahr vollzogenen Übernahme des Remtsma-Konzerns durch die Hamburger Kaffeefirma Tchibo ist Emckes Rat mit Sicherheit gehört worden.

Auf mehr also als eine One-Dollar-Vergütung durch den Verteidigungsminister ist der im feinen Ortsteil Blankenese residierende Emcke nicht angewiesen. Er ist zudem Kommanditist des Hamburger Bankhauses Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. Für Emckes hoffentlich guten Rat jedenfalls drohen dem in Finanznöte geratenen Minister Apel somit keine teuren neuen Ausgaben.