Was steckt hinter der Krise am Deutschen Krebsforschungszentrum?

Von Gero v. Boehm

Umweltgifte waren schon immer ein prominentesSpezialgebiet des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, Jetzt droht das Monstrum vom Neckar; eines der Großforschungszentren des Bundes und der Länder, an Vergiftungserscheinungen der eigenen Atmosphäre zugrunde zu gehen. Die Wissenschaftler in den acht Instituten haben kein Vertrauen mehr zueinander. Allein das ist als Krankheitssymptom ernst genug für ein multidisziplinäres Institut.

Probleme gibt es nicht erst seit heute. Berichte über Fehden zwischen, den Stockwerken, von denen jedes mit je einem Institut besetzt ist, gibt es zuhauf. Besuchen tut man sich wenig, ist im Zentrum zu hören, der Begriff interdisziplinär sei; deshalb für viele-immer noch ein Fremdwort.

Seit einigen Wochen ist freilich von "Kriegserklärungen" die Rede, gar von "Mord und Totschlag" – und das aus dem Mund von geschäftsführenden Institutsdirektoren. Offener Haß richtet sich gegen die Chefetage, dem sogenannten Stiftungsvorstand, der aus einem Vertreter der administrativen Und einem der wissenschaftlichen Belegschaft besteht. Die Forscher werden seit Mai letzten Jahres durch einen zierlichen weißhaarigen Herrn vertreten, den außer wienerischem Charme auch noch ein markantes, wissenschaftliches Profil und weltweite Anerkennung als Biochemiker kennzeichnen Professor Hans Neurath, 72, zuvor am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle im amerikanischen Bundesstaat Washington.

Finanzieller Sumpf

Neurath war in einer Nacht- und Nebelaktion vom zuständigen Bonner Bundesministerium für Forschung und Technologie überredet worden, das Kommando am DKFZ zu übernehmen. Ministerialdirektor Wolf gang Finke sah in der Wahl dieses neutralen Mannes die Chance, einer Antwort auf die häufig gestellte Frage näherzukommen, ob die 93 Millionen Mark (für 1981) im Krebszentrum auch optimal und dem wissenschaftlichen Zeittrend entsprechend genutzt würden.