Kiel

Heinrich Heine sind seine Feinde treu geblieben – auch heute noch, 125 Jahre nach seinem Tod. In Schleswig-Holstein zum Beispiel tobt gerade ein provinzieller Kleinkrieg um ihn.

Lehrer des knapp zehn Jahre alten Kreisgymnasiums in Heikendorf bei Kiel waren auf der Suche nach einem Namen für ihre bislang noch ungetaufte Schule. Nach einem längeren Auswahlverfahren einigte sich die Schulkonferenz im Mai letzten Jahres mit überwiegender Mehrheit auf "Heinrich-Heine-Gymnasium". Pflichtgemäß leitete Schulleiter Hedke daraufhin den Vorschlag an den Kreis Plön weiter, der als Träger der Schule über einen Antrag zu befinden hatte. Nachdem auch die Zustimmung des Kultusministeriums vorlag, war dem schleswigholsteinischen Schulgesetz und der Verwaltungsbürokratie Genüge getan. Einer Namensgebung des Kreisgymnasiums hätte grundsätzlich nichts im Wege gestanden – wäre es nicht um den schon ehedem von Staatsdienern ungeliebten Heinrich Heine gegangen.

So aber lehnten der Schulausschuß und das nächst höhere Gremium, der Kreisausschuß des Kreises Plön, den Antrag mit CDU-Mehrheit ab. Die amtlich verfaßte Sitzungsvorlage findet SPD-Fraktionschef Jörg Steinbach "kraß tendenziös". Als Begründung für die Ablehnung heißt es dort, zwischen Heikendorf und Heine bestehe kein "räumlicher und geistiger Bezug". Ferner wird auf das Verbot seiner Schriften durch den Bundestag 1835 hingewiesen. Und zur Person des Dichters, der, so die Verwaltungsvorlage, mit "Witz, beißender Ironie und Spott" jede "Eindeutigkeit von Stimmung und Aussage" zerstöre: "Denn als Jude und als politischer Kritiker seiner Zeit wurde Heine wie kein anderer in den Streit der Meinungen hineingezogen und blieb bis heute umstritten."

Einen Mann von so zweifelhaftem Charakter, der zudem 1831 dem Vaterland schnöde den Rücken kehrte, mag Kreisausschußvorsitzender Wolf-Rüdiger von Bismarck nicht als "Vorbild für die deutsche Jugend" sehen. Heine-Kenner ist der promovierte Jurist freilich nicht, wie er offen zugibt. Dennoch fürchtet er, durch eine Benennung nach dem umstrittenen "Kollegen" Heine, Doktor beider Rechte zu Göttingen, könne "Unfriede" ins bisher so beschauliche Schulleben der 800-Seelen-Gemeinde an der Kieler Förde getragen werden.

"Unerträgliche geistige Enge" und "mangelhaftes Demokratieverständnis" wirft dagegen Jörg Steinbach, seinerseits im Schuldienst tätig und vom Examen her mit Heine bestens vertraut, den Heine-Gegnern vor.

Sorgen um den Schulfrieden macht sich inzwischen auch Schulleiter Armin Hedke. Der pragmatische Pädagoge, der persönlich lieber die alte Bezeichnung "Kreisgymnasium Heikendorf" beibehalten hätte, sieht seine Schule plötzlich als "Opfer parteipolitischer Profilierungssucht".