In Delhi wird über die Eindämmung des Handels mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten konferiert

Beim Bier und Tier, da lassen wir Deutsche uns nichts vormachen. Im Biertrinken sind wir eh’ Pro-Kopf-Weltmeister. Und unseren Waldis und Miezis schütten wir mehr Futter in den Napf als unseren Babys, wertmäßig, versteht sich. Noch nicht überzeugt?

Wie wär’s mit diesem Rekord: Letztes Jahr importierte die Bundesrepublik Wildtiere und Wildtier-Produkte im Wert von mehr als 100 Millionen Mark. Na ja, werden Sie sagen, es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben – aber, natürlich, nur, wenn das im Rahmen der Gesetze möglich ist.

Und so versuchen unsere tüchtigen Händler, all die schönen Dinge aus aller Herren Länder heranzuschaffen. Dummerweise gibt es da eine "Konvention über den Handel mit bedrohten Arten", die 1973 in der amerikanischen Hauptstadt Washington beschlossen wurde. 67 Staaten haben dieses "Washingtoner Artenschutzabkommen" bisher unterzeichnet, auch die Bundesrepublik. Wie es sich für ein internationales Abkommen gehört, steht das Wichtigste in den Anhängen, in diesem Fall in zwei Listen: Anhang I enthält die Namen von Tier- und Pflanzenarten, die innerhalb der Vertragsstaaten nicht gehandelt werden dürfen, Anhang II jene Spezies, die vermarktet werden dürfen, sofern eine Ausfuhrgenehmigung des Exportlandes vorliest.

In einem seltenen Anfall von High Snobiety müssen die biederen Bürokraten alles, was dem wahren Tier- und Pflanzenfreund gut und teuer ist, in den Anhang I aufgenommen haben. Aber auch Anhang II liest sich wie der Wunschzettel der Dame (oder des Herrn) von Welt. Immerhin vermochten findige Händler die Entziehungserscheinungen ihrer Klientel zumindest für die schönen Sachen aus Anhang II zeitweilig rückgängig zu machen.

Da entdeckte zum Beispiel die Frankfurter Pelzhandelsfirma Karl Dröll ein paradiesisches Land in Südamerika, Paraguay genannt. Dort leben nicht nur nette Handelspartner, sondern auch unglaublich viele seltene Tiere – auch solche, die Zoologen bisher in jenem Land noch gar nie gesehen hatten.

Hunderttausende von Tierhäuten, darunter 40 000 Ozelotpelze, im Wert von rund zwanzig Millionen Mark landeten so ganz legal, mit Exportgenehmigung, in Drölls Lager – bis den Artenschützern der Washingtoner Konvention die Sache spanisch vorkam. Drölls Gewerbe flog Ende Oktober auf; die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem wegen Urkundenfälschung.