Von Barbara v. Jhering

Atlanta

Ein Kind wird begraben, und die ganze Stadt nimmt Anteil. Der elfjährige Jeffery Mathis stammte aus ärmlichen Verhältnissen, aus einer unauffälligen Familie, aber bei seinem Begräbnis sind Fernsehen und Photographen zugegen, auch der Bürgermeister, ein Parlamentarier und ein Kirchenpräsident. Sie bestätigen der Mutter, daß dieser Tod alle angeht. Denn Jeffery Mathis ist ermordet worden, so wie achtzehn andere Kinder vor ihm – schwarze Kinder.

Wie diese ist er entführt und später in einer verlassenen Waldgegend gefunden worden. Doch während man einige Opfer schon nach wenigen Tagen fand, wartete Frau Mathis neun Monate auf Gewißheit.

"Vergib der Mutter", betet der Pastor an diesem Tag, "daß sie ihn auf diesen letzten, unheilvollen Gang zum Zigarettenholen geschickt hat, und vergib uns, daß wir nicht gebetet haben, sie möge es nicht tun."

Bis auf die Reporter sind alle Anwesenden in der Westhills Presbyterian Church schwarz. Im Programm für die Trauerfeier findet sich ein kurzer Nachruf: "Jeffery Lamar Mathis aus der East Ontario Avenue 471 wurde in Atlanta, Georgia, am 13. Juni 1969 als Kind von Mr. Willie B. Mathis und Mrs. Willie Mae Mathis geboren. Er schied aus diesem Leben irgendwann zwischen dem 11. März 1980, als er von einem Unbekannten entführt wurde, und dem 13. Februar 1981, als seine sterblichen Überreste gefunden wurden ... Klein Jeffery war ein aufgeweckter, glücklicher Junge, der gern mit seinem Fahrrad auf dem Parkplatz der Kirche herumfuhr und der das Kirchenbüro und die verschiedenen Kirchenkreise fast jeden Tag besuchte ..."

Als der weiße Sarg dann von acht kleinen Jungen hinausgetragen wird, als er den Schutzmantel aus Ansprachen und Chorälen verläßt und durch die gleißende Vorfrühlingssonne zum Wagen geleitet wird, spätestens da kommt die Erinnerung an ähnliche Szenen in der Vergangenheit, mischt sich die Trauer um diesen Jungen mit der Gewißheit, daß es nicht das letzte Mal sein wird, daß Kinder ein Kind in Atlanta zu Grabe tragen.