Vom Himmel hoch vermeldeten die Astronomen schon so bizarre. Gebilde wie Quasare, Pulsare und Schwarze Löcher. Jetzt kommt aus den Vereinigten Staaten die Kunde von einem neuen kosmischen Monster: Ein Superstern wurde, entdeckt. Er trägt den schlichten Namen R136A und sitzt als kleiner blauer Lichtpunkt im Tarantel-Nebel in der großen Magellanschen Wolke. Diese Galaxis, der nächste kosmische Nachbar unserer Milchstraße, ist nur von der Südhalbkugel der Erde sichtbar.

Drei Astronomen der Universität von Wisconsin berichteten über ihren Superfund kürzlich auf einer Astronomentagung Albuquerque im amerikanischen Bundesstaat New Mexico. Das Besondere an R136A ist seine Masse: Joseph Cassinelli, einer der drei Entdecker, spekuliert, daß der Stern dreitausendfünfhundertmal schwerer ist als die Sonne.

Solch ein Gebilde darf es nach den Lehrbüchern der Astronomie eigentlich nicht geben. Bisher waren Astrophysiker der Meinung, Sterne, die mehr als hundertmal schwerer sind als die Sonne, könnten nicht mehr existieren. Die Theoretiker setzten nämlich bei einhundert Sonnenmassen eine Grenze, weil dann die Grundvoraussetzung für die Existenz eines selbstleuchtenden Himmelskörpers, das Gleichgewicht von Strahlungsdruck und Schwerkraft, nicht mehr erhalten sei.

Bei der Sonne ist dieses Gleichgewicht seit etwa fünf Milliarden Jahren vorhanden; es dürfte unser Muttergestirn wohl noch einmal so lange in der heutigen Form halten.

Doch die Sonne ist. nur ein Zwerg gegen den Superstern am Südhimmel. Der leuchtet zwar nur als bläulicher Winzling, wenn er durch ein normales Teleskop betrachtet wird. Aber als die Detektoren des "Internationalen Ultraviolett-Explorer"-Satelliten den Tarantel-Nebel ins Visier nahmen, Kam seine gigantische Größe zum Vorschein.

Die ungeheuere Strahlungsenergie bezieht der himmlische Hüne aus der äußerst raschen Verhimmlische von Wasserstoff zu Helium. Cassinelli und seine Kollegen John Mathis und Blair Savage schätzen, daß er in einer Sekunde soviel Energie abgibt, wie die Sonne in fünf Jahren; Alle tausend Jahre strahlt der Stern umgerechnet eine Sonnenmasse an Materie ab.

Ein solches Objekt, das ist den Astronomen klar, kann nicht lange existieren. Als kurzlebigste Sonnen waren bisher die sogenannten O-Sterne bekannt. Sie überdauern immerhin noch einige Millionen Jahre. Der Superstern R136A ist jetzt etwa 100 000 Jahre alt, also für astronomische Verhältnisse gerade geboren. Aber sein Ende in rund einer Million Jahren ist schon abzusehen.