/ Von Christian Graf von Krockow

Die deutsche Vaterlandsliebe", schrieb Bismarck, "bedarf eines Fürsten, auf den sich ihre Anhänglichkeit konzentriert. Wenn man den Zustand fingierte, daß sämtliche deutsche Dynastien plötzlich beseitigt wären, so wäre nicht wahrscheinlich, daß das deutsche Nationalgefühl aller Deutschen in den Fraktionen europäischer Politik völkerrechtlich zusammenhalten würde, auch nicht in der Form föderierter Hansestädte und Reichsdörfer."

Aber 1918 verschwanden die Dynastien, obskure und ehrwürdige gleichermaßen – und die Deutschen gingen zur Tagesordnung über. Sie beklagten den "Dolchstoß", Versailles, Parteienhader, die Schwäche der schwarz-rot-goldenen Republik, nicht den Verlust ihrer angestammten Herrscher. Warum? Hat Bismarck geirrt? Oder was war seit der Niederschrift seiner "Gedanken und Erinnerungen" anders geworden? Nicht einmal solche Fragen werden von der Forschung gestellt, geschweige denn beantwortet.

Dabei drängen sich die Fragen auch in weiterer, in weltgeschichtlicher Perspektive auf. So weit menschliche Erinnerungen und Mythen reichen, gab es die Herrschaft der Könige, in welcher Form und unter welchem Titel immer. Republikanische Gemeinwesen blieben die Ausnahme. Erst seit Beginn der Neuzeit ändert sich das, seitdem freilich unerbittlich und wohl unumkehrbar: Das Mandat des Himmels, der Vorsehung, der Geburt, wird durch das des Volkes ersetzt.

Ein großer Gelehrter – in Deutschland geboren und wie so viele vertrieben, in den Vereinigten Staaten lebend, dem Erbe Max Webers verpflichtet – hat den Wandel nachgezeichnet. Sein Werk liegt nunmehr in deutscher Ausgabe vor: