Wahlhilfe für Mitterrand

Willy Brandt ist unter die Wahlhelfer gegangen – in Frankreich. Für seinen Gesinnungs- und Wanderfreund François Mitterrand, der gern im Mai Staatspräsident werden möchte, hat er die folgende, in Anzeigen verbreitete Widmung gedichtet: "Die Vielfalt der Talente François Mitterrands, die von ihm verkörperte erstaunliche Symbiose eines Mannes vom Land und eines klar denkenden Politikers üben einen Reiz aus, der in einer Epoche der oft zu schnellen und technokratischen Karrieren nur geworden ist." Die SPD hatte sich bereits Anfang Februar offiziell für Mitterrand stark gemacht, und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Helmut; Schmidt zu den deutsch-französischen Konsultationen im Elysée weilte. Der amtierende und wieder kandidierende Präsident Giscard d’Estaing hat dem Kanzler die gezielte Unfreundlichkeit der Genossen nicht übelgenommen. Er konnte es sich jedoch nicht verkneifen, Schmidt mehrfach frotzelnd auf die SPD-Resolution anzusprechen.

Eskimos contra Bundeswehr

Gegen Übungsflüge der Bundeswehr über Labrador in der kanadischen Provinz Neufundland haben Vertreter der in diesem Raum lebenden rund 9000 Eskimos protestiert. Sprecher der Innuits, wie sich die Ureinwohner nennen, weisen darauf hin, daß mit Zustimmung der kanadischen Regierung sechs Phantom-Kampfflugzeuge der Bundesluftwaffe im vergangenen Jahr ihre Tiefflugübungen mit Überschallgeschwindigkeit aufgenommen haben. Die Flüge sollen in diesem Jahr mit zwölf Maschinen fortgesetzt werden. Die Innuits befürchten, daß die in der Region beheimateten Herden von Caribou-Hirschen durch die Flüge vertrieben und sie einer ihrer wichtigsten Ernährungsgrundlage beraubt werden. Nach Angaben der Innuits fliegen die deutschen Kampfflugzeuge in einer Mindesthöhe von etwa 80 Metern über dem Erdboden. Dabei wird die Aussage eines Luftwaffen-Offiziers zitiert, der in einem Interview des kanadischen Magazins MacLeans erklärte, man brauche sich an diese Grenze nicht zu halten und werde "auch richtig runtergehen".

Deutschland in Dublin

Das Ungeheuer von Loch Ness kennt keinen Streß, und an Land will jemand immer wieder nur – deshalb schaltet sie auf stur – Boogie Woogie. Ein Kühnerer watet, ungeheuer, barfuß durch ein Feuer und sinkt ein bis zu den Knien. Da schreit wer: Moment, mein Hemd ist eingeklemmt! Ein anderer: Du bist ein Mädchen, ich ein Mann, geh nicht so ran! Das Mädchen aber steht auf Männer, Professoren oder Penner, und schon kullern wir, vom Schicksal gestoßen, wie Steine im wilden Wasser: lauter Geschichten, die der Schlager schreibt und mit denen unsere talentierten Musikkünstler am Sonnabendabend im Fernsehen darum kämpften, für unser Vaterland beim "Grand Prix Eurovision" in Dublin anzutreten. Gewonnen haben indessen – wie gut! – andere Vorkommnisse. Nein, nicht das Lied, mit dem uns die Ansagerin Ebstein an der Ehre packte, "mehr auf die Außenseiter der Gesellschaft ein Augenmerk zu haben", und dasselbe auf Träumer, Tramps und Clowns lenkte, Schurken und Spieler, welche immer nur im Schatten stehn und blinzelnd in die Sonne sehn, sondern der Bericht von dem armen Genie mit der geschenkten Gitarre, daß wir mißachteten, bis sein Erfolg nicht mehr zu verhindern war: Johnny Bitte, und er ist blind.

Druckfehlerteufel gegen Raketen

Von "den beiden SS-20-Stützpunkten nahe Deraschnaja und Perwomaysk, wo schon an der Schrägstellung der Silos zu erkennen ist, daß diese Raketen nur gegen westeuropäische Ziele gerichtet sind", war letzte Woche in Theo Sommers Artikel "Ein fadenscheiniger Knüller" die Rede. Da war der Druckfehlerteufel im Spiel: Es handelt sich um die SS-11. Die SS-20 wird von mobilen Lafetten abgeschossen.