Ohne Rücksicht auf binnenwirtschaftliche Erfordernisse ist die Bundesbank zum Kampf um den Wert der Mark auf den internationalen Devisenmärkten angetreten. Die Frankfurter Währungshüter treiben dabei die Zinsen auf immer neue Höhen. Nutznießer sind jene Sparer, die jetzt Geld anzulegen haben.

Zu Beginn dieser Woche explodierten die Zinsen auf dem Geldmarkt, Für Tagesgeld wurden im Handel unter Banken bis zu 30 Prozent gezahlt. Mit der Schließung des sogenannten Lombardfensters hat die Bundesbank ihre Rolle als Geldverleiher aufgegeben. Um einen weiteren Devisenabfluß aus der Bundesrepublik zu verhindern und um neues Kapital anzulocken, müssen die Zinssätze in der Bundesrepublik international reizvoll gemacht werden, Ihre bisherige Sonderstellung, eine aufwertungsverdächtige Währung zu sein, hat die Mark wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits der Bundesrepublik eingebüßt.

Und da eine internationale Zinssenkung – ausgehend von den USA – vorerst nicht zu erwarten ist, werden wir uns auf längere Zeit auf hohe Zinssätze einrichten müssen, auch wenn dies vielen Bankiers und Gewerkschaftern nicht paßt. Eine veränderte Lage würde sich ergeben, falls sich die Bundesregierung entschließen sollte, die Mark innerhalb der Europäischen Währungsgemeinschaft abzuwerten. Ein solcher Schritt würde uns allerdings einen neuen Inflationsschub bringen. Davor scheut die Regierung bisher zurück.

Für den privaten Sparer stellt sich in dieser Situation die Frage: Jetzt oder später anlegen? Und wenn ja, wo?

Tatsächlich vermag heute niemand zu sagen, ob der Zinshöhepunkt in der gegenwärtigen Bewegung erreicht ist, Jederzeit sind neue Überraschungen möglich. Denn die Bundesbank hat den Kampf um den Kurs der Mark noch längst nicht gewonnen. Das ist nicht nur eine Frage der Zinsen, sondern noch mehr eine Angelegenheit des Vertrauens. "Ganz offensichtlich hält uns das Ausland nicht für fähig, auf der Basis früherer Kursrelationen zu einer ausgeglichenen Leistungsbilanz zurückzukehren", meinte der Präsident der Landeszentralbank Hamburg, Hans Hermdorf, auf einer Veranstaltung der Berenberg-Bank. Und weiter: "Angesichts des Schauspiels, das wir für die Weltöffentlichkeit zum Beispiel bei der Kernenergie aufführen, kann mich das gar nicht einmal besonders erstaunen!" Hermsdorf war früher SPD-Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Auch wenn sich die Großanleger noch zieren, ihre beträchtlichen flüssigen Mittel in festverzinslichen Papieren oder Schuldscheinen der öffentlichen Hände anzulegen, so scheint mir der Zeitpunkt gekommen zu sein, zumindest für einen Teil der privaten Ersparnisse jetzt die hohen Zinsen zu sichern. Selbst auf die Gefahr hin, in Kürze noch mehr für sein Geld bekommen zu können. Allerdings Eile, meine verehrten Leser, besteht nicht. Suchen Sie sich in Ruhe das für Sie passende aus.

Von den Kreditinstituten wird berichtet, daß ihre private Kundschaft vor allem auf Papiere mit hohen Nominalzinssätzen "fliegt". Auf solche mit ein- oder zweijährigen Laufzeiten, bei denen die Renditen bereits über elf Prozent kommen. Das würde bedeuten, daß Sie in kurzer Zeit vor neuen Anlageentscheidungen stehen. Das kann günstig sein, falls der Zins im kommenden Jahr über dem heutigen liegt. Das ist zwar wenig wahrscheinlich, weil kaum anzunehmen ist, daß die Amerikaner so lange ihr Hochzinsniveau beibehalten werden. Aber wer will beim Zins heute noch prophezeien?