Der DAG-Vorstand will den Nachwuchs an die Kandarre nehmen

Von Erika Martens

Mit ihrer Jugend hatten sie alle einmal Ärger – die politischen Parteien ebenso wie die Gewerkschaften. Im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erhitzte vor geraumer Zeit die Debatte um die kommunistische Unterwanderung der Jugend die Gemüter. Derzeit ist die DGB-Konkurrenz, die Deutsche Angestellten Gewerkschaft, ins Gerede gekommen. Aber hier geht es nicht um Kommunisten, hier geht es auf den ersten Blick vor allem um Formalitäten, nämlich um die Richtlinien der DAG-Jugend. Dahinter allerdings steckt–wie das bei Statuten häufig ist – weit mehr.

Denn mit der Verfassung, die eine Organisation sich und ihren Gliederungen gibt, stehen auch fast immer deren Freiheit und Unabhängigkeit auf dem Spiel. Und genau dies tut sich in den Augen der Jugend derzeit in der DAG. Der Nachwuchs fürchtet, daß der Bundesvorstand, der die bisher geltenden Richtlinien ändern will, gleichzeitig auch die Zügel stärker anzieht.

Es begann in Lahnstein, einem idyllischen kleinen Ort in der Nähe von Koblenz. Dort fand im Juni 1979 die Bundesjugendkonferenz der DAG statt – eine Routineveranstaltung, wie viele meinten. Zu Unrecht. Denn zur großen Überraschung aller versagte die Routine gerade bei einer der wichtigsten Entscheidungen; Der Bundesjugendleiter, Günter Ploß, wurde nicht wiedergewählt.

Hermann Brandt, Bundesvorsitzender der Angestelltenorganisation, war empört. "Acht Tage vorher war die Welt noch in Ordnung", kommentiert er. Hier allerdings irrt Brandt. Rudolf Helfrich, heute Nachfolger von Ploß, sieht das jedenfalls ganz anders. "Alle haben es gewußt, nur der Bundesvorstand nicht", meint er.

In der Tat war die Kritik an Ploß in den Jugendgruppierungen schon lange spürbar. Man hielt ihn für einen "Mann des Vorstands" und für den verlängerten Arm der Gesamtorganisation" – nicht gerade Empfehlungen für eine führende Position innerhalb einer aufmüpfigen Jugendorganisation. Man hatte auch nicht vergessen, daß Ploß 1976 – entgegen allen Beschlüssen der Jugend – im Beirat der DAG – dem höchsten Gremium der Hauptamtlichen – für die Tarifgemeinschaft mit dem reaktionären Deutschen Beamtenbund stimmte. Man nahm aber auch Anstoß an seinem persönlichen Verhalten. Ploß galt als selbstherrlich und hatte durch sein Verhalten allzu viele Kollegen verärgert.