Daß ein Bürgermeister in arge Kalamitäten geraten kann, wenn er sich mit Problemen des Schulalltags beschäftigt, mußte Hans-Ulrich Klose letzte Woche hautnah erleben. Der Ausdruck "hautnah" trifft ausnahmsweise einmal zu. Es geht um die Sexualkunde oder genauer gesagt darum, wie der Sexualkundeunterricht "ergänzt" werden kann.

Hamburger Schülerzeitungen fanden nämlich den Sexualkundeunterricht "steril" und druckten in letzter Zeit häufig Erfahrungsberichte über eigene sexuelle Erlebnisse ab, um den Unterricht zu "ergänzen". Diese Berichte waren derart freimütig, daß die Bezeichnung "pornographisch" wohl nicht übertrieben ist. Viele Eltern waren geschockt, hatten sie doch nicht vermutet, wie unmittelbar sich die Kinder mit ihrer Sexualität auseinandersetzen. Rund 25mal erteilten daraufhin verschiedene Hamburger Schulleiter Vertriebsverbote oder ähnliche Maßnahmen gegen Schülerzeitungen.

Die Schülerredakteure hingegen hielten ihre Artikel für "einfühlsam" und auf keinen Fall für schlimmer als Artikel der überall zugänglichen Sexblätter. Sexualwissenschaftler der Hamburger Universität bescheinigten den Schülern sogar, daß die beanstandeten Beiträge nicht etwa "jugendgefährdend", sondern "geradezu notwendig" seien.

Also forderten die Schülerredakteure, für Schülerzeitungen solle künftig nur das Presserecht gelten. Sie suchten das Gespräch mit Bürgermeister Klose, der tatsächlich auch 180 Redakteure ins Rathaus zu einer Pressekonferenz einlud.

Dort aber glitten dem Bürgermeister die Dinge aus der Hand. Erst rissen einige Schüler die Diskussionsleitung an sich. Dann zogen sich vier von ihnen nackt aus, poussierten ein bißchen und fragten: "Hast du schön einmal onaniert, Uli?" Klose nahm das Spektakel gelassen hin, lächelte und wartete ab, bis die Nackten sich wieder an- und verzogen.

Diese Haltung erregte nun den Zorn der örtlichen Presse. Während Klose sich mit dem Argument verteidigt, ein Abbruch der Veranstaltung hätte nur den "Störern" in die Hand gespielt, ließ Bild einen Rechtsanwalt und Familienvater stellvertretend für viele Eltern wettern: "Ein Voyeur schaut zu, ein Bürgermeister steht auf und läßt sich nicht noch – erkennbar schmunzelnd – photographieren!"

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