Der hohe Benzinpreis zeigt Wirkung: Die Autofahrer sparen

Von R. Gaul und H.-G. Kemmer

Auf eine seit Jahren ständig wiederholte Frage gibt es jetzt eine Antwort. Die Frage lautet: Bei welchem Benzinpreis wird die "Schmerzschwelle" für den Autofahrer überschritten? Die Antwort, aus der Empirie geboren, ist ziemlich eindeutig: Bei einem Literpreis von 1,30 Mark für Superkraftstoff hat der Autofahrer die Bremse gezogen: Er fährt weniger.

Das hat gewiß nichts damit zu tun, daß die Autofahrer sich selbst den Preis von 1,30 Mark je Liter als Limit gesetzt haben. Aber bei diesem Preis ist die Belastung der privaten Budgets wohl so hoch geworden, daß nun energische Maßnahmen zur Begrenzung der Autokosten in Angriff genommen werden.

Die Marktforscher der großen Mineralölgesellschaften schätzen die Lage ziemlich gleich ein, ob Aral oder BP, Esso oder Shell; alle rechnen sie für 1981 mit einem leichten Rückgang beim Absatz von Vergaserkraftstoff, zumindest aber mit einer Stagnation. Die Aral AG, Deutschlands größter Kraftstoffverkäufer, will es sogar genau wissen: Um 1,4 Prozent, so der Vorstandsvorsitzende Klaus Marquardt, werde der Benzinabsatz 1981 sinken. Und zur mittelfristigen Entwicklung sagt der Aral-Mann: "Bei der Benzinnachfrage wird der Markt in den nächsten Jahren in eine Quasi-Stagnationsphase übergehen."

Für die Branche ergibt sich damit eine völlig neue Lage. Zwar gab es schon einmal eine Delle beim Benzinabsatz, als 1974 steil nach oben schnellende Preise und von Bonn verordnete Geschwindigkeitsbegrenzungen den Absatz drosselten; schon ein Jahr später war die Einbuße jedoch mehr als ausgeglichen. Der Autofahrer hatte den Ölpreisschub von 1974 verdaut. Trotz eines nur vom Herbst 1974 bis Herbst 1975 unterbrochenen Preisanstiegs kletterte der Absatz unaufhaltsam weiter.

Das war allerdings eine Folge der weiter zunehmenden Motorisierung – trotz stark gestiegener Kosten wuchs der Kreis der Autofahrer. Damit wurde eine Entwicklung überlagert, die Marquardt so beschreibt: "Mitte 1979 konnten wir erstmalig ein freiwilliges Sparverhalten beim Autofahrer feststellen, das bis heute unvermindert angehalten hat, sich sogar noch leicht von Jahr zu Jahr verstärkt hat." Und in diesem Jahr werden die Spareffekte so stark, daß sie die erwartete Zunahme des Pkw-Bestandes überkompensieren.