Nun liegt es vor, das lästerliche Werk: sakral lila gebunden, mit dem schlichten Titel "Religionsunterricht" in der Reihe "Kritische Stichwörter" des Münchner Wilhelm Fink Verlags (345 Seiten, 28 Mark). Wie lange es sich auf dem Buchmarkt halten wird, ist fraglich: Ein Rechtsstreit droht, angekündigt von zwei Mitarbeitern an dem Sammelband, die wider Willen in gute Gesellschaft geraten sind.

Verlag und Herausgeber (Johannes Glötzner) hatten sich das Projekt ganz pluralistisch ausgedacht: von katholisch konservativ bis atheistisch reicht das Spektrum der Autoren. Doch zwei Professoren, Rudi Ott und G. Rummel, der eine in Mainz, der andere in Freiburg lehrend, entdeckten zu ihrem Entsetzen, daß der Herausgeber Mitglied der Humanistischen Union (HU) ist; die vertritt recht unfreundliche Thesen gegenüber der Verquickung von Kirche und Staat. Man dürfte von Professoren erwarten, daß sie mit Souveränität Gegensätze diskutieren; nicht so in diesem Fall: Die Akademiker entschieden sich für unfreiwillige Satire. "Per Einschreiben" stellte Ott am 30. Januar 1981 dem Herausgeber einen Fragenkatalog zu, der inquisitorisch Auskunft über Glötzners Ansichten, Tätigkeiten, Verbindungen verlangt. Kurz darauf teilt er dem Verlag mit, die Verbindung von Glötzner und HU werfe "schwerwiegende Probleme" auf. Für wen?

Von Ott informiert, wendet sich Rummel an den Verleger: er sei "mißtrauisch" geworden, "einigermaßen beunruhigt" und behalte sich vor, seinen Artikel zurückzuziehen.

Da der Verleger Fink die Unruhe der Professoren nicht teilen kann, wendet Ott sich am 7. Februar, immer "per Einschreiben", an den Verlagsteilhaber und Mitgeschäftsführer Ferdinand Schöningh in Paderborn. Jetzt steht Otts "Ruf als Professor des Mainzer Priesterseminars auf dem Spiel": "Ich bin in größter Sorge über die Folgen dieser Veröffentlichung für meine Person." Nicht seines Beitrags wegen, nein: in größter Sorge wegen – schlichter Teilnahme an einem pluralistischen Konzept. Daß solche Panik so gar nicht zur Freiheit eines Christenmenschen paßt, stört den Theologen nicht.

Als man Ott Einsicht in die Druckfahnen gewährt, verlangt er kategorisch Änderungen am Vorwort des Herausgebers. "Sollten Sie diesem Wunsch nicht Rechnung tragen können, bitte ich um Nachricht. Ich muß mir dann rechtliche Schritte vorbehalten"

Das Vorwort wurde nicht geändert; der Herausgeber, selber Religionslehrer und in seinen eigenen Buch bei trägen erfreulich kritisch, harrt nun auf weitere Eingebungen aus Mainz und Freiburg.

Vielleicht wird sich demnächst einer der linksliberalen Autoren von der Gesellschaft mit den Professoren Ott und Rummel distanzieren wollen – dann aber mit einer sachlichen Begründung: Der Beitrag der beiden um ihren "Ruf" Besorgten ist der einzige im ganzen Band, der in einem unlesbaren Fachkauderwelsch verfaßt ist; man sollte ihn, zur allseitigen Zufriedenheit, bei einer zweiten Auflage entfernen.

Gert Heidenreich