Überaus Herzliche Worte Hat Willy Brandt für den scheidenden Bundesgeschäftsführer der SPD, Egon Bahr, beim Abschiedsempfang im Erich-Ollenhauer-Haus nicht gerade gefunden; nur das Notwendige, Pflichtschuldige und Selbstverständliche. Das muß schon auffallen, wenn man bedenkt, welch langen Weg Brandt und Bahr seit 1960 gemeinsam gegangen sind und welche Bindungen und Verbindungen es da einmal gab. "Eine überraschende Lösung, auch für mich, auch für ihn", sei die Entscheidung für Bahr als Geschäftsführer 1976 gewesen, so Brandt heute. Daraus sei "für viele" eine solide und überzeugende Lösung geworden.

Als Helmut Schmidt auf die Idee kam, seinen Minister Egon Bahr mit der Nachfolge Holger Börners zu betrauen, galt Bahr in seiner Partei noch als "Geheimrat". Eine "intelligente Fehlbesetzung" war damals fast das freundlichste Urteil, das man zu hören bekam.

Anders als Börner oder Wischnewski fehlte Bahr der "Stallgeruch". Erst zum Schluß ist er von allen Seiten akzeptiert worden. Zu Willy Brandt allerdings hatte sich schon nach dessen halbem Rückzug ins Privatleben ein schwierigeres Verhältnis entwickelt, und dabei ist es geblieben.

Auch Helmut Schmidt hat manchmal über den Geschäftsführer gestöhnt, der von der Ost- und Rüstungspolitik so viel versteht und da ja auch weiter mitmischen wollte. Übrigens hat Bahr sich im Vorstand seiner Partei auch mit der Bemerkung verabschiedet, der SPD habe "ein tragendes innenpolitisches Zukunftsthema" für die achtziger Jahre gefehlt, "wie später auch das Regierungsprogramm zeigte".

Kurz, Egon Bahr ist loyal gewesen in einem ganz preußischen Sinne, aber er ist auch ein kritischer Kopf, in manchen Augen ein Querkopf geblieben. Er selber hat die Rolle des Geschäftsführers mit der eines preußischen Reitergenerals verglichen – Egon Bahr als Ziethen aus dem Busch. Eine vollendet entwickelte Taktik der Aufklärung, bewegliche Kampfführung und kühne Überraschungen sind Ziethen nachgesagt worden. Sein Krieg dauerte sieben Jahre.

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Apropos Krieg: Späte Rache schien Heinz Kühn im Sinn zu haben, als er sich in einem Interview bereitwillig auf Spekulationen über die Zukunft von Herbert Wehner, Willy Brandt und Helmut Schmidt einließ. Kühn wörtlich: "Von Wehner erwarte ich, daß er in diesem Jahr zurücktritt. Schmidt macht wohl höchstens noch dreieinhalb Jahre. Brandt wird auch nur noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren ... Bei Wehner kommt noch eine sichtbare Personalitätsschwäche hinzu – das ist bei einem fast 75jährigen Mann ja keine despektierliche Feststellung."