Für den Ausstieg ans Brokdorf hat sich der Hamburger Senat entschieden. Mitarbeiter und Management der Hamburgischen Electricitäts-Werke sind für den Weiterbau des Kernkraftwerkes.

Willi Burmester, Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der HEW:

  • Der Hamburger Senat will den Ausstieg der Hamburgischen Electricitätswerke aus dem Kernkraftwerksprojekt in Brokdorf. Der HEW-Aufsichtsrat hat am vergangenen Donnerstag weitere hundert Millionen Mark für das Kernkraftwerk freigegeben – mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Sind Sie entschlossen, die Senatspolitik und damit die Politik des Großaktionärs zu unterlaufen?

Burmester: Von unterlaufen kann keine Rede sein. Wir erfüllen nur einen Vertrag. Die Freigabe der hundert Millionen Mark am vergangenen Donnerstag war eigentlich ein Versäumnis, das hätte schon im November geschehen müssen. Damals wollte der Aufsichtsrat die politische Situation nicht anheizen und hat deshalb gewartet.

  • Geraten Sie nicht in Gewissensnöte: Die Hamburger SPD hat sich für den Ausstieg aus Brokdorf entschieden. Sie sind Sozialdemokrat, vertreten als Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender aber die Interessen Ihrer Kollegen, und die stehen zu Brokdorf?

Burmester: Nein, ich sehe da keinen Widerspruch. Erstens hat der Landesparteitag nur mit vierzig Stimmen Mehrheit gegen Brokdorf gestimmt, zweitens gehöre ich zur Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD, und die ist in Sachen Brokdorf ganz anderer Meinung als der Parteitag.

  • Werden Sie von Parteifreunden gedrängt, sich gegen Brokdorf zu entscheiden