Sind Ost und West dabei, sich – und einander – in einer gewaltigen Aufbäumung des Irrsinns zu Tode zu rüsten?

In Hans Apels Rüstungsklausur war von derlei apokalyptischen Aussichten nicht die Rede. Da waren unpolitische Buchhalter versammelt, die Mittelanforderungen und Mittelansätze zur Deckung zu bringen suchten. Und nach all dem vorangegangenen Getöse – "Tornado-Debakel", "Bundeswehr vor der Pleite", "Apel im Wirbel" – nahm sich das Ergebnis der Klausur verblüffend glatt aus. Die Öffentlichkeit reagierte dann auch nachsichtig bis gleichgültig. Aber ist wirklich wieder alles im Lot auf der Hardthöhe?

Man könnte es so sehen. Für die Jahre 1982 bis 1984 fehlten dem Verteidigungsminister am Ausrüstungsetat der Bundeswehr 2,3 Milliarden Mark. Durch Streichen, Strecken und Schieben einiger Beschaffungsvorhaben schrumpft der Mehrbedarf auf eine Milliarde. Da soll nun der Finanzminister einspringen. Er muß in den nächsten Jahren auch weitere 1,2 Milliarden Mark für Baumaßnahmen und Personalaufwendungen zugunsten der amerikanischen Verstärkungstruppen im Ernstfall (Host Nation Support) aufbringen; hier hat die Bundesregierung mit einer plötzlichen politischen Entscheidung nach langem Bocken klar eine neue Priorität gesetzt. Außerdem erwartet Hans Apel von seinem Finanzkollegen den Ausgleich der inflationsbedingten Mehrkosten für die zulaufenden Waffensysteme.

Rechnung mit Unbekannten

Im übrigen sind die Streichungen kein riesiges Unglück, wenngleich die Luftwaffe – mit dem Kampfflugzeug "Tornado" der Hauptverursacher des Finanzlochs in der Wehrkasse und nun, mit 80 Prozent mit vom Hauptbetroffener der Sparaktion – hörbar mit den Zähnen knirscht. Die großen und symbolträchtigen Brocken des Rüstungsprogramms bleiben unangetastet: die 1800 Leopard II, die 322 Tornados, schließlich alle acht Fregatten der Marine (wenn auch der Baubeginn der beiden letzten hinausgezögert wird).

Dennoch: Das glatte Klausurergebnis trügt. Langfristig sieht es bedenklicher aus. Die Rechnung Hans Apels steckt voller Unbekannten.

Zum ersten: Der Inflationsausgleich – bei den meisten neuen Waffensystemen wird mit einer jährlichen Teuerung von sieben Prozent gerechnet – ist im Bundeshaushalt noch nicht abgesichert. Die Schätzungen des dadurch bedingten zusätzlichen Finanzbedarfs für die nächsten fünf Jahre gehen weit auseinander. Die Zahl des CDU-Verteidigungsexperten Manfred Wörner – zehn Milliarden – ist sicherlich polemisch überhöht, aber ganz genau weiß es niemand, und selbst nüchterne Rechner erwarten allein für das nächste Jahr eine gute halbe Milliarde.