Hörenswert

Louis Ferdinand Prinz von Preußen: "Andante mit Variationen/Trio Es-Dur/Fuge op. 7". Offenbar konnte er es sich leisten: Louis Ferdinand, Neffe Friedrichs II., spielte täglich, so wird überliefert, mehrere Stunden lang Klavier; vermutlich auch nicht einmal schlecht, denn immerhin widmete Beethoven ihm sein drittes Klavierkonzert. Und so verwundert es auch nicht, daß die meisten der keineswegs nur dilettantischen Kompositionen des Prinzen auch das Klavier besetzen. Stilistisch sieht man ihn auf der Schwelle zur Romantik, mit ersten nicht mehr periodischen Themen, mit empfindsamer Dynamik, mit zarten Linien, mit Variationsformen im großen wie im kleinen. Mitglieder des Berliner Goebel-Trios haben sich mit Musikern des Hannoverschen Joachim-Quartetts zusammengetan und spielen die fast ein wenig nach Salon klingenden Stücke mit Frische und vergnüglicher Leichtigkeit – am Beginn des großen "Preußen-Jahres" kein schlechter Nachweis dafür, daß es in Potsdam nicht nur um militärische Ehren ging – mit denen Prinz Louis Ferdinand dann doch starb: 1806 fiel er als Offizier in der Schlacht bei Saalfeld. (Thorofon Capella MTH 222) Heinz Josef Herbort

The dB’s: "Stands For Decibels". In diesen grimmigen Schwermetallrock-Zeiten mitsamt dem Macho-Gehabe und seinen Brutalsex-Posen sind Gruppen selten geworden, die sich freimütig zum l’art pour l’art des Teenager-Pop bekennen. Von den Vokalharmonien früher Beatles-Hits bis zu den Produktions-Manierismen der Rock-Satiriker lOcc zitieren die dB’s alle möglichen Pop-Stile aus zwanzig Jahren. Irgendwo scheinen sie Beach-Boys-Platten aus deren "Smiley-Smile"-Phase wiederentdeckt zu haben ("She’s Not Worried" und einige andere Songs erinnern an die Produktionsgags aus dieser Zeit), und die Pop-Collagen hier sind leicht verschmockt bis ironisch und in keinem Fall irgendwie nostalgisch. Wer den Begriff Pop nicht als Schimpfwort versteht und keinerlei tiefsinnige Rock-Poesie erwartet, dürfte an der Platte vergnügliche Aspekte entdecken. (Albion/Ariola 203 382)

Franz Schöler

Original

Ursula Anders mit Friedrich Gulda: "Opus Anders". Das ist eine fürwahr eigenartige Vorstellung. Sie beginnt mit zwei Schubert-Liedern, "Meeres Stille" und "Mignon", mit denen die Protagonistin beweisen möchte, daß sie eine – gelernte – Sängerin ist und nicht weniger begabt als etwa ihre singende Schwester, die Schauspielerin Sylvia Anders. Sie singt sehr zart, Gulda begleitet sie mit äußerster Einfühlung. Dann jedoch beginnt die Uraufführung des "Opus Anders". Das ist nichts anderes als ein mit expressionistischer Leidenschaft teils rezitierter, teils gesungener, auch gerufener, geschriener, mit Schlagzeugpassagen pointierter, von Gulda am Klavier, auf Orgel und Krummhorn komplettierter autobiographischer Bericht einer jungen, von ihrem großen Namen belasteten Frau: Tochter des gefeierten Tenors Peter Anders. Also eine Emanzipierungs-Anstrengung, von der man sich, wie merkwürdig auch, nun nicht pikiert abwendet, sondern der man mit unerwarteter Spannung wie einem Schauspiel mit Musik folgt, bis zum originellen Ende. Die Linzer im Brucknerhaus, wo die Vorführung live aufgenommen worden ist, ließen sich mit Beifall nicht lumpen. (Intercord INT 160.155)

Manfred Sack